Schröter erwägt zweites Erstaufnahmelager für Flüchtlinge in Wünsdorf

18.04.2015 RBB Schröter erwägt zweites Erstaufnahmelager für Flüchtlinge

Brandenburg soll eigentlich 9.200 Flüchtlinge in diesem Jahr aufnehmen, doch diese Prognose wird wohl überschritten werden. Das Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt platzt ohnehin jetzt schon aus allen Nähten. Deshalb soll nun ein zweites her – in einer Stadt, die immer wieder wegen rechtsextremistischer Übergriffe in die Schlagzeilen geraten ist.

Das Brandenburger Innenministerium denkt über eine weitere Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge nach. Als Standort dafür werde das frühere Militärgelände Wünsdorf-Waldstadt in Zossen (Teltow-Fläming) geprüft, teilte das Ministerium am Samstag mit. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) habe die Zossener Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) über die Pläne informiert, sagte eine Sprecherin.

Auf dem landeseigenen Grundstück, auf dem bereits Landesbehörden ihren Sitz haben, könnten bis 2017 bis zu 1.200 Plätze für die Erstaufnahme von Flüchtlingen entstehen. Die ersten 500 Menschen könnten den bisherigen Plänen zufolge ab Anfang 2016 dort untergebracht werden.
Derzeit werde der Standort Wünsdorf noch geprüft, hieß es. Sollte die Liegenschaft tatsächlich infrage kommen, müssten die bislang dort ansässigen Behörden umziehen. Sie bleiben jedoch laut Ministerium in Zossen. Details will Schröter zunächst mit den zuständigen Kommunalpolitikern besprechen, im Anschluss werde er sich auch den Fragen der Einwohner stellen, hieß es.

Schröter geht von „weiter steigenden Asylbewerberzahlen“ aus
Zossen ist in der Vergangenheit durch rechtsextremistische Übergriffe in die Schlagzeilen geraten. Einen Höhepunkt bildete im Januar 2010 ein Brandanschlag auf das Haus der Demokratie der Initiative „Zossen zeigt Gesicht“. Deren Mitglieder würden sich von Bürgermeisterin Schreiber eine größere Unterstützung wünschen. Diese hat jedoch in der Vergangenheit mehrfach öffentlich ihre Skepsis gegenüber der Initiative geäußert.

„Wir müssen auch in absehbarer Zukunft von weiter steigenden Asylbewerberzahlen ausgehen“, sagte Schröter. Eine weitere Außenstelle der zentralen Einrichtung in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) sei deshalb erforderlich. Der Minister rechtfertigte die umstrittene Größe der Unterkunft: „Wir benötigen für die Erstaufnahme auch größere Einrichtungen, weil sich die notwendigen Abläufe bei der Antragstellung, der medizinischen Untersuchung und der Versorgung der Menschen sonst nicht sinnvoll gestalten lassen“, erklärte Schröter. Zu den Kosten machte das Ministerium zunächst keine Angaben.

Außenstelle in Doberlug-Kirchhain
Das Land plant auch in der ehemaligen Lausitz-Kaserne bei Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) eine Außenstelle der Erstaufnahme. In der südbrandenburgischen Kleinstadt sollen knapp 800 Flüchtlinge unterkommen, die ersten 400 werden nicht vor Herbst erwartet.
Ende 2014 wurde in Ferch (Potsdam-Mittelmark) in einem früheren Wohnheim der Bundeswehr eine Außenstelle mit zunächst 50 Plätzen eröffnet. Bis zum Sommer sollen dort 280 Menschen ein Domizil finden.
Laut Ministerium muss das Land in diesem Jahr aller Voraussicht nach mehr als 9.200 Flüchtlinge aufnehmen. Diese Zahl wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für Brandenburg prognostiziert. In den ersten drei Monaten des Jahres seien 2.812 Asylbewerber ins Land gekommen. Dies seien mehr als dreimal so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres (831). Insgesamt kamen 2014 mehr als 6.300 Asylbewerber (2013: rund 3.300) nach Brandenburg.

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