Buch: Flüchtlinge ziehen unter Wachschutz in Containerdorf ein

23.04.2015 RBB
Flüchtlinge ziehen unter Wachschutz in Containerdorf ein

Es ist das zweite von sechs geplanten Containerdörfern in Berlin: In Buch ist eine neue Flüchtlingsunterkunft für bis zu 480 Flüchtlinge eröffnet worden. Zunächst zogen rund 45 neue Bewohner ein. Ihr Einzug wurde unterstützt von aufgestocktem Wachpersonal – und gestört von drei Neonazis.

Das zweite Containerdorf für Flüchtlinge in Berlin ist am Donnerstag eröffnet worden. Unter verstärkter Bewachung zogen die ersten 45 Asylbewerber im Stadtteil Buch (Pankow) ein. Sie kommen aus vier Erstaufnahmeheimen der Stadt.
Zum Schutz vor Angriffen von Neonazis oder anderen Ausländerfeinden stehen jetzt jeweils drei Wachmänner in zwei Schichten rund um die Uhr vor den Wohncontainern. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagte am Donnerstag, es gebe auch eine Bannmeile rund um Flüchtlingsheime, um die Privatsphäre der Flüchtlinge zu wahren. Innerhalb einer Bannmeile darf nicht demonstriert werden.
Die Ankunft der ersten Flüchtlinge wurd von einem Neonazis-Protest vor dem Heim gestört. „Drei Neonazis waren vor Ort und haben gegen den Einzug von rund 45 Flüchtlingen protestiert“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) im Abgeordnetenhaus. Sie hätten Bekannte und Familienmitglieder mitgebracht. Andererseits hätten auch rund 20 Nachbarn der neuen Unterkunft die Flüchtlinge freundlich begrüßt, sagte Henkel. Die Polizei sei vor Ort gewesen, um das Heim zu schützen.

Auch Berliner NPD-Chef schon gesichtet
Manfred Nowak von der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die das Heim betreibt, sagte, man kenne die Neonazis schon von früheren Kundgebungen. Auch der Berliner NPD-Vorsitzende Sebastian Schmidtke sei schon gesichtet worden. Es seien zwar nur vereinzelt auftretende Menschen, aber an der Sicherheit wolle man nicht sparen. Daher seien zwei zusätzliche Wachmann-Schichten genehmigt worden, so dass jetzt insgesamt sechs Wachleute in zwei Zwölf-Stunden-Schichten für Sicherheit sorgen sollten.
Die AWO reagierte mit der stärkeren Bewachung auf einen Vorfall am Montagabend, als mehrere Neonazis zwei Wachleute vor dem Heim anpöbelten und angriffen.
Die Anlage an der Groscurthstraße besteht aus 578 Containern und wird von der Arbeiterwohlfahrt betrieben. Die ersten beiden Blöcke für je 160 Menschen sollen nach und nach belegt werden. Das dritte Haus soll dann im Mai bezugsfertig sein. Insgesamt können in dem zweiten von insgesamt sechs Containerdörfern 480 Flüchtlinge untergebracht werden.

Im Vorfeld viele Proteste
Bisher gibt es ein Containerdorf in der Alfred-Randt-Straße in Köpenick. Dort wohnen inzwischen knapp 400 Flüchtlinge. Gegen die Bauten gab es im Winter zahlreiche Demonstrationen, an denen auch viele Rechtspopulisten sowie Neonazis teilnahmen. Erst am Montagabend hatten drei Rechtsextreme die Wachleute vor dem Gelände angegriffen und ausländerfeindliche Parolen gerufen.
Berlin erwartet in diesem Jahr rund 20.000 weitere Flüchtlinge, die in jetzt 64 Unterkünften leben.
Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hatte vangekündigt, in den nächsten beiden Jahren an 36 Standorten große Heime aus Fertighausbauten zu errichten. An jedem Standort sollen meist zwei mehrstöckige sogenannte modulare Wohneinheiten stehen. Sie bieten jeweils Platz für 120 Menschen. Die ersten Häuser sollen bereits 2016 fertig sein. Die Kosten liegen bei mehr als 160 Millionen Euro.

http://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/berlin/zweites-containerdorf-fuer-fluechtlinge-ist-fertig.html