Berliner Kurier: Keiner der neuen 36 Standorte spruchreif.

26.04.2015 Berliner Kurier: Flüchtlingsheime Wer bekommt wie viele?

Die Stadt schafft Platz für den Flüchtlings-Ansturm: Landeseinrichtungen und die Bezirke prüfen Standorte für 36 mobile Unterkünfte. Es ist ein heikler Masterplan, denn Bürger-Proteste dürften nicht auf sich warten lassen. Eine Baufirma bietet sich dem Senat bereits als Partner an.

20.000 Flüchtlinge werden 2015 noch in Berlin erwartet. Schon jetzt sind 15.000 Menschen in Notunterkünften untergebracht, 10.000 in Wohnungen. Unter der Federführung von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sollen bald neuartige mobile Unterkünfte für 37,8 Millionen Euro entstehen.
Das Verfahren: Die Berliner Immobilienmanagement (BIM) schlägt dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) landeseigene Grundstücke vor. Dann reden die Bezirke mit.
Beispiel Marzahn-Hellersdorf: Hier kamen 14 Standort-Ideen auf den Tisch. Der Bezirk prüfte dann nach eigenen Kriterien, ob etwa Kitas, Schulen, Einkaufs-Möglichkeiten und ÖPNV-Anbindung in der Nähe sind – und nannte drei Möglichkeiten für die engere Auswahl. Wo diese Standorte sind, verrät Stadtentwicklungsstadtrat Christian Gräff (CDU) nicht: „Das würde nur die Pferde scheu machen, ohne dass genaue Standorte vom LaGeSo ausgewählt sind.“
Aus den Reihen der Bezirks-Linken heißt es, dass auch ein Grundstück in den Einfamilienhausgebieten von Mahlsdorf, Kaulsdorf oder Biesdorf denkbar wäre.
Derart offen ist man anderswo nicht. Aus einem der Ost-Bezirksämter erfuhr der KURIER, dass es Bedenken wegen Bürger-Beschwerden gibt.
Vorerst keine Standorte sind laut Bürgermeister Oliver Igel (SPD) in Treptow-Köpenick geplant. Völlig raus ist Mitte. Ein denkbares Grundstück in Charlottenburg-Wilmersdorf wurde rasch wieder verworfen.
Laut Senat ist noch keiner der 36 Standorte spruchreif.
Dafür bietet sich die Firma Bauer aus Neukirch/Bodensee bereits an, die Unterkünfte aufzustellen.
Chef Jörg Bauer (49) zum KURIER: „Wir können zweistöckige Holzbauten für je 24 Personen binnen eines Tages realisieren.“
Ein Quadratmeter eines Variahome Boarding Houses kostet 1.800 Euro – macht bei vier Modulen mit je 12,55 Metern Länge und 4,30 Metern Breite pro Haus fast 390.000 Euro.
Möglich ist eine Nachnutzung für Wohnungen. Lebensdauer: 80 bis 100 Jahre.