RBB: Brandenburg ist mit jugendlichen Flüchtlingen überfordert

30.04.2015 RBB: Brandenburg ist mit jugendlichen Flüchtlingen überfordert

Immer mehr minderjährige Flüchtlinge kommen ohne ihre Eltern nach Deutschland. Land, Kreise und freie Träger schieben sich die Verantwortung für sie gegenseitig zu. Aktuell sind die Jugendlichen auf vier Heime im Land verteilt, in Frankfurt (Oder) fanden sie sogar Unterschlupf im Frauenhaus.

Sie sind minderjährig und traumatisiert, sie sind ohne Eltern auf der Flucht und in Brandenburg gelandet: Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge sind derzeit auf vier Heime im Land verteilt. Die Verantwortung für die Kinder in Cottbus, Fürstenwalde, Potsdam und Brandenburg an der Havel und für die, die im Fraunenhaus in Frankfurt (Oder) untergebracht sind, schieben sich Land, Kreise und freie Träger derzeit gegenseitig zu. Auf Antrag der Grünen-Fraktion diskutierte der Brandenburger Landtag am Donnerstag darüber, wie die pädagogische, psychologische und therapeutische Betreuung der alleinreisenden jugendlichen Flüchtlinge verbessert werden kann.

Jugendprojekt in Fürstenwalde bislang einmalig
63 solcher Jugendlichen aus Somalia, Syrien und Afghanistan leben zur Zeit im Jugendprojekt „Alreju“ in Fürstenwalde – „Alreju“ steht für alleinreisende jugendliche Flüchtlinge. Wer dort nicht aufgenommen werden kann, wird erst einmal in eine Gemeinschaftsunterkunft nach Cottbus, Potsdam oder Brandenburg an der Havel geschickt. Das Brandenburger Bildungsministerium will dem nun einen Riegel vorschieben.

Frauenhaus zieht womöglich um
Aus Mangel an Alternativen mussten die 16 und 17 Jahre alten Flüchtlinge zuletzt sogar im Frankfurter Frauenhaus untergebracht werden. Nach Angaben von Sozialderzernent Jens Marcel Ulrich leben die zehn minderjährigen Flüchtlinge nun schon seit acht Wochen dort. „Wir suchen momentan nach einer Lösung, die dem Träger auch ermöglicht, an anderer Stelle diese Jugendlichen weiter zu betreuen“, so Ulrich. Er könne sich auch vorstellen, das Frauenhaus neu auszurichten oder an einem anderen Ort zu installieren. „Da sind wir auch in Gesprächen“, so Ulrich weiter.
Lutz Amsel, erster Beigeordneter im Landkreis Märkisch-Oderland sucht ebenfalls nach geeigneten Einrichtungen mit familiärer Atmosphäre für junge Flüchtlinge. Man habe auch Ideen und Vorstellungen. Derzeit sei das aber alles noch in der Diskussionsphase mit dem Land. Insbesondere gehe es da um Fragen: „Wie soll die konkrete Unterbringung erfolgen? Was sollen die Jugendlichen machen, wenn sie hier sind?“ Zudem gehe es um die Finanzierung der „ganzen Angelegenheit“, so Amsel weiter.

Land will moderieren, aber nicht alleinige Verantwortung
Das Land Brandenburg hat zugesagt, bei der Finanzierung und Suche nach geeigneten Unterkünften helfen zu wollen. Die Jugendlichen, die ohne Eltern im Land ankommen, sollen nicht einfach nur untergebracht werden, sondern brauchen auch eine pädagogische, psychologische und therapeutische Betreuung. Bildungsminister Günther Baaske (SPD) wünscht sich mehr Unterkünfte wie das „Alreju“-Projekt in Fürstenwalde. Im Wesentlichen seien hier auch wieder die örtlichen Jugendhilfeträger, also die Landkreise und Städte gefragt. „Wir moderieren das sehr gern als Land und wollen das auch wirklich fachlich begleiten. Aber alle müssen mitmachen wollen und gemeinsam einem Konzept arbeiten wollen“, schränkte Baaske ein.
Im Moment weiß niemand, wieviele alleinreisende minderjährige Flüchtlinge in Brandenburg sind. Nur wenige Bundesländer haben diese Jugendlichen bislang aufgenommen. Aber wenn ab 2016 auch minderjährige Flüchtlinge genauso wie erwachsene nach dem sogenanten „Königssteiner Schlüssel“ auf alle Bundesländer verteilt werden, müssen mehrere hundert Jugendliche mehr in Brandenburg untergebracht werden.

http://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/brandenburg/alreju---alleinreisende-minderjaehrige-fluechtlinge-im-landtag.html