PeWoBe-Chef Penz meldet sich in der Morgenpost

08.05.2015 Morgenpost
Flüchtlingsheimbetreiber Penz – der umstrittene Feuerwehrmann

Die Zahl der Asylbewerber in Berlin steigt. Heimbetreiber Helmuth Penz profitiert mit seiner Firma PeWoBe davon. Doch er fühlt sich falsch dargestellt – und fordert mehr Transparenz von den Behörden.

Helmuth Penz war bisher in der Debatte um Berlins Flüchtlingsheime nicht mehr als ein Phantom. Mit 3000 Menschen in elf Unterkünften ist der 69 Jahre alte Unternehmer mit seiner Firma PeWoBe einer der großen Akteure auf diesem Feld. Und einer der Umstrittensten. Nun ging Penz erstmals in die Offensive, um eine Reihe von Kritikpunkten an ihm und seiner Firma entgegenzutreten.
Er öffnete die Pforten zu der in den vergangenen Wochen heiß diskutierten Unterkunft an der Haarlemer Straße in Neukölln. Zuletzt hatte ein Fernsehbeitrag über Schimmel, fehlendes Personal, kaputte Brandmeldeanlagen und andere Missstände berichtet. Die Fernsehleute ließen sogar eine Kamera-Drohne steigen, die einen traumatisierten pakistanischen Bewohner erschreckte.
Am Donnerstag saß Penz ganz entspannt mit einigen der vielen Kinder aus der Unterkunft auf dem Boden des hauseigenen Kindergartens und spielte Telefonieren. Und auch mit den erwachsenen Bewohnern sprach er ganz jovial im begrünten Innenhof, wo zwischen den bunten Riegeln aus Modularbauten Klettergerüste, Tischtennisplatten, Bänke und Fahrradständer einen durchaus einladenden Eindruck vermitteln. „Ich war auch schon mal in Sarajevo“, sagte er zu der Bosnierin Fadila Bislimi. Ihr Mann Ismet zeigt das Zweibettzimmer im ersten Stock. „Sehr gut ist das hier“, sagte er.

PeWoBe-Chef Penz besucht Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Neukölln
Die Bilder mit dem Schimmel seien nicht in diesem Haus gedreht worden, sagte Penz. Wobei klar sei, dass in einer solchen Anlage immer mal Mängel aufträten, die dann aber behoben würden. Man habe auch Vorkehrungen getroffen, dass Kinder nicht die Glasscheibe des Brandmelders einschlagen und den Knopf drücken.
Von den 393 Plätzen in den beiden Blöcken sind derzeit 387 mit Flüchtlingen aus 27 Nationen belegt, wie die Heimleiterin Birgit Schulz berichtete. Die meisten kommen aus Bosnien und Serbien. Die Kleiderkammer ist voller Spenden. Auch an Spielzeug für die 46 Kleinkinder und Babys im Haus mangelt es nicht. Es gibt Gratis-Internet, Sprachkurse, Wohnberatung. Im Flur hängt eine Urkunde über den zweiten Platz im Fußballturnier.
Penz‘ Botschaft ist klar: Er will deutlich machen, dass er sich nicht auf Kosten der Flüchtlinge und Mitarbeiter große Gewinne macht. Natürlich wolle er sein eingesetztes Kapital „auskömmlich verzinst“ sehen, sagte Penz. Aber da spreche man über zwei bis fünf Prozent.

Berliner Landesamt für Gesundheit kündigte Strafe gegen PeWoBe an
Nach den Klagen über zu wenig Personal in einigen Heimen kündigte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) nun an, eine Vertragsstrafe gegen die PeWoBe geltend machen zu wollen. Die Strafe hielt Penz für „unrechtmäßig hoch“ und will sich zur Wehr setzen. Aber er räumte ein, dass es früher Probleme gegeben habe. Dafür sei jedoch eine Personalfirma verantwortlich gewesen. Von der habe er sich getrennt, beschäftige Sozialarbeiter, Betreuer und andere Kräfte wieder selbst, 150 Menschen arbeiteten für ihn im Flüchtlingssektor.
Um die Bezahlung durch die Behörde transparenter zu machen, plädierte Penz dafür, die Betreiber nicht pauschal über mehrere Jahre festgesetzte Tagessätze zu bezahlen, sondern die tatsächlichen Kosten monatlich zu prüfen und abzurechnen. „Wir müssen die Verträge auf eine neue Grundlage stellen“, sagte Penz. Auch wolle er sich nur noch an offiziellen Ausschreibungen beteiligen. Bisher spielt Penz oft Feuerwehr, wenn das Lageso ganz dringend Betten benötigt. Das Problem des Hauses an der Haarlemer Straße hat aber nur indirekt mit der PeWoBe zu tun. Der Betreibervertrag des Lageso mit der Firma läuft nur noch bis Ende des Jahres. Das Lageso hatte die Unterkunft für acht Millionen Euro auf einem Grundstück errichtet, das dem Unternehmer Kurt Krieger gehörte. Geplant waren ursprünglich fünf Millionen Euro. Wegen der nur zweijährigen Laufzeit des Nutzungsrechts droht nun der baldige Abriss. Penz hatte versucht, das Grundstück zu kaufen. Der Deal platzte jedoch. Gerüchte sprechen von einem Immobilienfonds als neuem Eigner. „Wem das Grundstück gehört, wissen wir derzeit nicht sicher“, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Helmuth Penz glaubt nicht, dass die Unterkunft abgerissen wird.

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