Schupelius fordert Diakonie zu mehr Solidarität auf

10.05.2015 BZ
Schupelius Kolumne: Die Diakonie könnte mehr für Flüchtlinge tun

Gunnar Schupelius fragt: Warum übernimmt die evangelische Kirche nicht viel mehr Flüchtlingsheime?

Wenn es um Flüchtlinge geht, dann lehnt sich die Evangelische Kirche sehr weit aus dem Fenster. Dann spricht der Bischof beim Innensenator vor und mahnt ihn zur Gnade gegenüber denen, die nach dem Gesetz das Land verlassen müssen. Kirchengemeinden bringen ausreisepflichtige Ausländer in ihren Räumen unter, damit sie nicht abgeschoben werden können.

Auch die Diakonie, der soziale Dienst der evangelischen Kirche, sieht es als ihre Pflicht an, den Finger zu heben. „Wir müssen die Bereitschaft (…) in der Gesellschaft erhöhen, zukünftig mehr Flüchtlinge aufzunehmen“, sagte am Donnerstag der Präsident der Diakonie, Ulrich Lilie. Die Diakonie würde mit ihren „bürgerschaftlichen und professionellen Möglichkeiten bereits heute gerne“ ihren Beitrag dazu leisten, sagte er. Tatsächlich wird unter dem Dach der Diakonie die soziale Arbeit nicht nur sehr professionell, sondern auch in großem Maßstab erledigt: Das Diakonische Werk Berlin Brandenburg (DWBO) beschäftigt mit 430 Trägern in 1500 Einrichtungen insgesamt 52.000 Mitarbeiter.
Gemessen an dieser Größe wirkt der Einsatz für die Flüchtlinge als eher kleine Sparte. Auf meine Nachfrage hin erfuhr ich, dass derzeit unter diakonischer Verantwortung in Berlin nur fünf Gemeinschaftsunterkünfte und fünf Notunterkünfte betrieben würden. Insgesamt stehen in Berlin derzeit knapp 70 solcher Einrichtungen zur Verfügung. Nur jede siebte findet sich also unter dem Dach der Kirche wieder.
Ich fragte an, ob die Diakonie auch bereit sei, größere geplante Einrichtungen wie etwa die ehemalige Lungenklinik in Heckeshorn am Wannsee mit bis zu 1000 Flüchtlingen zu übernehmen. Eine Sprecherin antwortete mir, die Diakonie sei dazu „durchaus in der Lage“, in der Regel aber würde man sich „für kleinere Einrichtungen für bis zu 150 Menschen“ einsetzen, weil diese sowohl für die Anwohner als auch die Flüchtlinge „sozial verträglicher“ seien.
Diese kleineren Einrichtungen aber, die die Diakonie am liebsten betreibt, werden beim derzeitigen Ansturm der Flüchtlinge auf Berlin nicht ausreichen. In diesem Jahr erwarten wir 20.000, 2016 dann 22.000 und 2017 sogar 24.000 Menschen, die untergebracht werden müssen.
In Heckeshorn hat sich der evangelische Kirchenkreis bereit erklärt, den Flüchtlingen zu helfen. Pfarrer Michael Raddatz verwies in der B.Z. auf die „Willkommenskultur“ seiner „Christen- und Bürgergemeinde“.
An einem Ort wie Heckeshorn böte die Diakonie sicherlich das beste Dach für eine Flüchtlingsherberge, um sie im Einvernehmen mit den Anwohnern einzurichten und zu betreuen. Die Evangelische Kirche sollte sich deutlich stärker für Flüchtlinge engagieren, denn sie ist neben den Katholiken zweifelsfrei die beste Adresse dafür.

http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/die-diakonie-koennte-mehr-fuer-fluechtlinge-tun