Brandenburg: Im Sommer dann Zelte

18.05.2015 RBB

Wie kann die Politik auf Anschläge gegen Flüchtlingsheime reagieren? Die Bürger besser über das Zusammenleben mit Asylbewerbern informieren, sagt der Chef der Brandenburger Erstaufnahmestelle. Ohnehin habe die Regierung zu spät auf steigende Flüchtlingszahlen reagiert. Deshalb müssten viele der Menschen im Sommer wohl in Zelten unterkommen.

Der Leiter der Zentralen Ausländerbehörde, Frank Nürnberger, hat in Reaktion auf die anhaltenden Anschläge auf Flüchtlingsheime in Brandenburg eine bessere Informationspolitik über die Einwanderung gefordert. Im rbb sagte er am Montag: „Wenn man den Bürgern transparent Informationen gibt, was auf sie zukommen könnte, dann wird das sicher zur Beruhigung beitragen.“

Dabei müssten zunächst die Vorurteile abgebaut werden. Dazu gehöre der immer wieder zitierte angebliche Kriminalitätsanstieg im Umfeld von Flüchtlingsheimen: „Dass Kriminalität steigen würde – das hat sich in Eisenhüttenstadt gezeigt – ist ganz und gar nicht der Fall.“ Dies seien Vorurteile über die Menschen, die einem nicht bekannt sind und das seien daraus abgeleitete Ängste, sagte Nürnberger. Wenn man erst einmal bekannt sei mit den Menschen, nähmen die Ängste auch ab.

Ankündigung der neuen Zahlen durch den Bund kam zu spät
Als Reaktion auf die neuen Flüchtlingsprognosen kritisierte Nürnberger die späte Ankündigung durch die Bundesregierung. Um adäquat reagieren zu können, bedürfe es eines großen Vorlaufs, den seine Behörde ebensowenig wie die Flüchtlingsbehörden der anderen Länder bekommen habe, sagte Nürnberger. „Sie müssen jedesmal ’ne Baugenehmigung einholen und die Objekte dann anpassen“, erklärte er die nun nur schleppende Neuschaffung von neuen Asylbewerberheimen.
„Wir müssen sehen, dass wir jetzt auf die Schnelle Unterkünfte schaffen, die akzeptabel sind. Das wird erstmal im Sommer – möglicherweise – ‚Zelte‘ heißen. Ich weiß aber auch, dass viele Akteure jetzt bereits unterwegs sind, um feste Unterkünfte, angemessene Unterkünfte auch für den Herbst und den Winter herbei zu schaffen“, sagte Nürnberger.

Seit 2012 nahezu alljährlich eine Verdoppelung der Flüchtlingszahlen
Das Land Brandenburg wird in diesem Jahr voraussichtlich 13.900 Flüchtlinge aufnehmen – deutlich mehr als bislang erwartet. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte vor wenigen Tagen seine Prognose für das gesamte Bundesgebiet angehoben. Die brandenburgische Landesregierung hatte aufgrund der bisherigen Einschätzungen mit 9.200 neuen Asylbewerbern gerechnet.

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Brandenburg kommen, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Im vergangenen Jahr wurden rund 6.300 Asylanträge gezählt, im Jahr 2013 waren es 3.300 und im Jahr zuvor etwa 1.800 Asylbewerber.

http://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/brandenburg/Nuernberger-fluechtlinge-brandenburg-prognosen-zelte-heime-informationspolitik.html