Container bis August fertig

18.05.2015 Berliner Zeitung

Die letzten vier von insgesamt sechs Containerdörfern für Flüchtlinge in Berlin sollen bis August fertig sein. Als nächste dürfte die Wohnanlage am Blumberger Damm im Stadtteil Marzahn in der ersten Juli-Hälfte bezugsfertig sein, sagte die Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso), Silvia Kostner, der Deutschen Presse-Agentur. In den sechs Behelfsunterkünften für 42,7 Millionen Euro sollen bis zu 2186 Menschen Platz finden. Das Land Berlin erwartet in diesem Jahr rund 20 000 Flüchtlinge. Im Oktober hatte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) den Bau der Containerdörfer wegen der großen Flüchtlingszahl angekündigt.

Das erste Containerheim am Standort Alfred-Randt-Straße in Köpenick ist seit Dezember 2014 bewohnt. In die zweite Siedlung in Berlin-Buch zogen Ende April die ersten Asylbewerber ein. Nach den derzeitigen Plänen kann in der zweiten Juli-Hälfte am Hausvaterweg in Lichtenberg eine weitere Wohnanlage eröffnet werden. Anfang August soll der Standort Potsdamer Chaussee in Zehlendorf stehen. Schließlich werde noch im August ein Container-Komplex am Ostpreußendamm ebenfalls in Zehlendorf Flüchtlinge aufnehmen können, sagte Kostner.

Gegen die Container hatte es in der Planungs- und Bauphase Proteste und Demonstrationen gegeben. In Marzahn-Hellersdorf und Köpenick waren Menschen mit teils rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Parolen auf die Straße gegangen.

Der Flüchtlingsrat Berlin hält die Containerdörfer für hochproblematisch, weil sie Ausgrenzung signalisierten. Außerdem hätten die Menschen in den Gemeinschaftsbädern und -küchen keine Privatsphäre. Auch für Asylbewerber wären «feste Häuser aus Stein» besser, sagte Georg Classen, hauptamtlicher Mitarbeiter des Flüchtlingsrats.

Dazu könnten in Berlin nach einem Umbau leerstehende Bürogebäude, ehemalige Schulen oder Kliniken genutzt werden. Der Flüchtlingsrat wünscht sich zudem eine stärkere Unterstützung bei der Wohnungssuche. Flüchtlinge, die eine freie Wohnung fänden, müssten derzeit sechs Wochen auf eine Mietkostenzusage des Lageso warten. «Vermieter entscheiden sich dann häufig doch anders», berichtete Classen. Und die Flüchtlinge müssten so lange weiter in Sammelunterkünften bleiben, was für das Land auch deutlich teurer sei.

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