„Cap Anamur“-Gründer sorgt für Willkommenskultur

8.7.15 RBB

Rupert Neudeck wurde vor Jahrzehnten bekannt, als er mit seinem Schiff „Cap Anamur“ tausende vietnamesische Flüchtlinge rettete. Jetzt eröffnete der 76-Jährige in Berlin-Prenzlauer Berg in einem ehemaligen Bürogebäude eine Unterkunft für rund 250 Flüchtlinge. Dabei setzt er vor allem auf Unterstützung durch die Anwohner.

Mit einem Willkommensfest hat der Journalist und Flüchtlingsunterstützer Rupert Neudeck am Mittwoch eine neue Unterkunft für Asylsuchende in Berlin-Prenzlauer Berg eröffnet. Gleich mehrere Initiativen haben dafür gesorgt, dass in dem ehemaligen Bürogebäude rund 250 Flüchtlinge leben können. Neudeck wurde vor Jahrzehnten mit seinem Schiff „Cap Anamur“ bekannt – wie damals hilft er auch heute weltweit Flüchtlingen.

Neudeck setzt auf Aufklärung
Für Neudeck ist es dabei wichtig, die Menschen in Deutschland zu überzeugen. „Die sich aufregen, sind immer in der Minderheit. Die, die sich nicht aufregen, sind in der Mehrheit, und wenn man die gewinnt, dann sind die alle gerne dabei, etwas zu tun“, erklärt der 76-Jährige. Dabei setzt er auf Aufklärung, denn viele wüssten nicht, aus welchen Situationen diese Menschen kommen. „Dann habe ich das Gefühl, meine Bevölkerung will eigentlich immer hilfreich sein.“
Zum Willkommensfest des „Rupert-Neudeck-Hauses“ kamen viele Anwohner und Unterstützer. „Wir sind hier aus der Kirchengemeinde in der Danziger Straße, und ich finde es wichtig, dass Flüchtlinge einen Ort haben, wo sie leben können und aufgenommen werden“, sagt ein Anwohner. Eine andere Unterstützerin hofft, dass es „hier eine gute Willkommenskultur gibt“. „Es sieht danach aus, als wäre es eine schöne Willkommenskultur, von daher…toi, toi, toi“, meint eine andere Besucherin.

Aus Skepsis wird Offenheit
In den vergangenen Monaten und Jahren gab es in Berlin aber auch andere Beispiele: Im Bezirk Hellersdorf protestierten hunderte Anwohner gegen eine Unterkunft. Flüchtlinge wurden auf der Straße attackiert. Auch in Prenzlauer Berg sind Anwohner gegen die Einrichtung. Skeptisch war zum Beispiel auch Wolfgang Decker. Er gab sich aber einen Ruck und kam zum Willkommensfest. „Nach dem was ich hier erlebt habe, habe ich nur positive Eindrücke. In dem Heim ist eine ganz angenehme Atmosphäre. Die Menschen sind nett, freundlich und friedlich miteinander. Es gibt hier viel zu tun, um zu helfen“, schildert Decker seine Eindrücke.

„Wir wollen Frieden“
Die Menschen, die im Rupert-Neudeck-Haus leben, kommen größtenteils aus Kriegs- und Krisenregionen: Syrer, Afghanen und Sudanesen sind darunter. Michael aus Eritrea zum Beispiel hat sein Land verlassen, weil er sich nicht mehr sicher fühlte. „Ich bin nach Deutschland gekommen, um Freiheit zu haben.“ In seinem Land herrsche ein Diktator, da gebe es keine Freiheit. Auch Ali Husseini ist mit seiner Familie aus seinem Heimatland Afghanistan geflohen. „Terrorismus ist das Hauptproblem in Afghanistan. Wir wollen Frieden, einfach überleben und unser Leben schützen.“
In der neuen Unterkunft können die Flüchtlinge sich erholen, denn viele sind traumatisiert. Die Bewohner leben in Zwei- oder Dreibettzimmern und haben gemeinschaftliche Sanitäreinrichtungen und je zwei Küchen, Gemeinschaftsraum und Essensraum in jeder Etage. Sie verpflegen sich selbst. Für die Kinder wird es ein Kinderspielzimmer geben. In den Außenanlagen ist ein Spielplatz geplant.
Eine Kirchengemeinde und weitere Initiativen sorgen dafür, dass die Bewohner Deutsch lernen. Sie begleiten sie bei Behördengängen, und den Kindern wird bei den Hausaufgaben geholfen. 70 Kinder leben im Rupert-Neudeck-Haus. Zur Eröffnung wirkten viele fröhlich. Zum Fest gab es Kinderschminken, Musik und Süßigkeiten. Dinge, die viele von ihnen noch nicht erlebt haben.

http://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/berlin/cap-anamur-gruender-eroeffnet-fluechtlingsunterkunft-in-berlin-prenzlauer-berg.html