Hellersdorf: Bedroht mit scharfer Munition

10.7.15 RBB

Erst waren es Beleidigungen, dann standen sie vor der Tür – nun wurden Aktivisten der Berliner Flüchtlingsinitiative „Hellersdorf hilft“ mit Munition bedroht. Fünf scharfe Patronen fanden sie vor ihrer Begegnungsstätte. Das Landeskriminalamt ermittelt jetzt gegen einen 42-jährigen Waffenbesitzer – wegen eines möglichen fremdenfeindlichen Motivs.
Vor dem Schaufenster standen fünf scharfe Patronen, fein säuberlich aufgereiht – so, dass die Drohung nicht missverstanden werden konnte. Am Dienstagabend fanden Mitglieder der Berliner Flüchtlingsinitiative „Hellersdorf hilft“ die Munition vor ihrer Begegnungsstätte und verständigten das Landeskriminalamt, wie jetzt bekannt wurde. Nun ermittelt der Staatsschutz wegen eines möglichen fremdenfeindlichen Motivs, bestätigte ein Sprecher am Freitag rbb online. Die Ermittler verdächtigen einen 42-jährigen Waffenbesitzer, die Patronen vor das „LaLoka“ in der Schneeberger Straße gelegt zu haben.

„Das ist eine inakzeptable, feige Bedrohung, die zeigt, welchen Grad der Radikalisierung das Ganze inzwischen angenommen hat“, sagte Stephan Jung, Sprecher von „Hellersdorf hilft“ am Freitag rbb online. Man lasse sich trotzdem nicht von Rechtsextremen einschüchtern. „Wir sehen dadurch nur umso mehr, wie wichtig es ist, sich für Geflüchtete einzusetzen“, sagte Jung.

Symbolische Schüsse auf der Demo
Bereits am vergangenen Montag sei es zu einem Zwischenfall im Ortsteil Marzahn gekommen. Bei der wöchentlichen Demo von Unterstützern und Gegnern der neuen Containerunterkunft am Blumberger Damm hätten zwei bekannte Rechtsextreme Mitglieder der Initiative erkannt – und bedroht. „Einer hat auf uns gezeigt, mit seiner Hand eine Pistole geformt und dann symbolisch auf uns geschossen“, sagte Jung. Als Polizisten den Mann weggeführt hätten, sei er sichtlich aufgebracht gewesen.
Die Aktivisten von „Hellersdorf hilft“ sehen die beiden Vorfälle als einen Beleg dafür, dass die Hemmschwelle der rechtsextremen Gegner der Heime inzwischen drastisch gesunken sei. „Am Anfang tarnten sie den Protest als harmlose ‚Bürgerbewegung‘ und hatten damit Erfolg bei Außenstehenden. Irgendwann konnten sie bei Demos aber nicht mehr ihren rechtsextremen Hintergrund verbergen, es kamen weniger Leute. Und inzwischen schrecken sie nicht mehr vor Straftaten zurück“, sagte Jung.
Im vergangenen Oktober waren 15 Neonazis in das „LaLoka“ eingedrungen, sie hatten versucht, die Anwesenden durch aggressive Gesten und rechte Parolen einzuschüchtern. Im Dezember wurde ein für Flüchtlinge aufgestellter Weihnachtsbaum am Ort des geplanten Containerheims von Unbekannten zerstört.

Kundgebungen beim Tag der offenen Tür
Am Freitag sind Flüchtlingsfeinde und -unterstützer wieder aufeinander getroffen. Anlass war der Tag der Offenen Tür in der neuen Containerunterkunft am Blumberger Damm, Ecke Landsberger Allee am späten Nachmittag. Dabei waren rund 30 bis 60 Menschen einem NPD-Aufruf gefolgt, um gegen die Unterbringung der Flüchtlinge zu demonstrieren.
Ihnen standen laut Polizeiangaben rund 100 Gegendemonstranten gegenüber, die von 120 Polizisten von den Heimgegnern getrennt wurden. Die Unterstützer der Flüchtlinge haben zudem für den Abend mehrere Gegenkundgebung geplant.

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