Berlin baut 36 Fertighäuser für Asylbewerber

14.7.15 Morgenpost:
Der Entwurf für einen Typenbau aus vorgefertigten Betonteilen liegt vor. Die Bezirke haben aber die Grundstücke noch nicht ausgewählt.

Sozialsenator Mario Czaja (CDU) erwartet im Juli erstmals mehr als 3000 neue Asylbewerber in Berlin. Das lasse sich aus der Zahl der Antragsteller im ersten Drittel dieses Monats hochrechnen, sagte er der Berliner Morgenpost. Im Juni kamen 2830 Flüchtlinge nach Berlin, im Mai knapp 1900.

Berlin benötigt also dringend weitere Flüchtlingsunterkünfte. Der Senat will daher in den kommenden zwei Jahren insgesamt 36 Heime in Fertigbauweise errichten. Jede Unterkunft soll über maximal 240 Plätze verfügen, mehr als 7200 Asylbewerber sollen in diesen Heimen leben können.
Die Modulbauten sollen auf Grundstücken des Landes Berlin, des Bundes und der Kirchen aufgestellt werden. Ein wichtiges Etappenziel auf diesem Weg ist nun erreicht, den Senatsverwaltungen für Soziales und für Stadtentwicklung liegt nach abgeschlossener Ausschreibung jetzt der „Amtsentwurf“ vor, der gewissermaßen den Prototypen für die künftigen Unterkünfte liefert.
Wie Sozialsenator Mario Czaja (CDU) der Berliner Morgenpost erläuterte, verfügt der Senat nun über einen „Modellbaukasten“, der leicht an unterschiedliche Grundstücke und Nutzergruppen, also etwa Flüchtlinge, wohnungslose Familien oder Studenten, angepasst werden kann. Jedes Grundmodul sieht 15 Bewohner pro Etage vor, die Module können einzeln stehen, in der Regel werden aber zwei oder drei miteinander verbunden.
Meist sollen die Heime zwei oder drei Stockwerke hoch sein, die Grundrisse erlauben mehrere Nutzungsvarianten – je nachdem, ob eher Platz für alleinstehende Flüchtlinge oder für Familien benötigt wird. Auch Spielplätze und Grünanlagen sind Teil dieses Amts- oder Typenentwurfs, müssen also ebenfalls nicht für jedes Grundstück grundsätzlich neu geplant werden.

Preisstabile Ausschreibung
Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand. Dieser Entwurf gehört dem Land Berlin, er kann in kurzer Bauzeit auf beliebig viele Standorte angewendet werden, ohne dass nochmalige Architekten- oder Ingenieurleistungen fällig werden. Die Verwendung standardisierter Fertigteile sorgt zudem für Kosten-Transparenz: „Das bietet die Möglichkeit, dass man sehr preisstabil Ausschreibungen für die jeweiligen Grundstücke vorbereiten kann“, sagte Czaja. Vier Grundmodelle sollen die städtebauliche Verträglichkeit sichern, die endgültige Fassadengestaltung steht indes noch nicht fest.
Im Spätsommer oder Herbst soll für zunächst acht bis zehn Standorte die Ausschreibung der Bauleistungen beginnen. Diese Leistungen sollen lediglich funktional ausgeschrieben werden. So können die Bieter ihre wirtschaftlichste Herstellungsart von Betonfertigteilen vorschlagen. Eine Marktanlayse der Stadtentwicklungsverwaltung hat ergeben, dass die Nachfrage nach Modulbauten gegenwärtig sehr hoch sei und mit überteuerten Angeboten und langen Ausführungsfristen gerechnet werden müsse. Nach einer vagen Schätzung könnten die Baukosten bei etwa 1200 Euro pro Quadratmeter liegen, die Trakte mit Funktions- und Lagerräumen seien aber preiswerter.

Konflikt mit den Bezirken
Die 18 Grundstücke, die 2016 für die Fertigbau-Unterkünfte benötigt werden, hat der CDU-Politiker allerdings noch nicht zusammen. Hier deutet sich ein Konflikt mit den Bezirken an. „Wir sind zurzeit in finalen Gesprächen mit den Bezirken zu den Grundstücken. Das ist nicht immer einfach“, sagte Czaja der Berliner Morgenpost. Früher hätten die Bezirke kritisiert, dass sie an der Auswahl der Standorte nicht beteiligt wurden.
„Das haben wir jetzt geändert. Neu ist, dass die Bezirke die Auswahl treffen und nicht die Senatsverwaltung. Das kann aber nicht dazu führen, dass Bezirke erklären, gar kein Grundstück sei für diese Modularbauten geeignet. Wir kommen jetzt in die Phase, in der wir ernst miteinander reden müssen“, so der Senator.
Denn damit die Senatsverwaltung im Herbst für zunächst acht bis zehn Standorte die Ausschreibung starten kann, benötigt sie die entsprechenden Grundstücke. Eine Bauplanungsunterlage (BPU) muss immer die konkreten Erschließungskosten berücksichtigen. „Noch sind wir in der Phase des konstruktiven Dialogs, aber die Zeit dafür ist begrenzt. Wir werden unter keinen Umständen von dem Projekt Abstand nehmen“, warnte Czaja.

Acht Grundstücke ins Auge gefasst
Acht Grundstücke erschienen nach den bisherigen Gesprächen mit den Bezirken als geeignet, sagte er. „Wir wollen sie jedoch gebündelt und in Abstimmung mit den Bezirken benennen.“ Die Bezirke könnten aus den der Senatsverwaltung benannten Grundstücken „auch unter Berücksichtigung ihrer Interessen“ zwei auswählen.
Czaja räumte allerdings ein, dass es Bezirke gebe, bei denen es extrem schwer sei, entsprechende Areale zu finden, etwa Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Dort sei „so gut wie nichts vorhanden“. Die Grundstücke für die Fertigteilbauten müssen jeweils 4000 bis 5000 Quadratmeter groß sein. Damit kommen weit mehr Liegenschaften in Frage als für die sechs größeren Containerdörfer, die im Durchschnitt 10.000 Quadratmeter erfordern.
Auf der Liste stehen neben landeseigenen auch rund 15 Grundstücke des Bundes, die die Bundesanstalt für Immobilien angeboten hat. Ebenfalls im Angebot sind pietätfreie Grundstücke der Kirchen, also Parzellen am Rand von Friedhöfen, die bislang als Erweiterungsflächen vorgehalten, aber nicht benötigt wurden. Es handelt sich um Innenstadtlagen, etwa am Neuköllner Emmaus-Kirchhof (Mariendorfer Weg) oder am Rand der Friedhöfe an der Jüterboger Straße in Kreuzberg.

http://www.morgenpost.de/berlin/article205470539/Berlin-baut-36-Fertighaeuser-fuer-Asylbewerber.html