B.Z.: Wie die Helden von Karlshorst Flüchtlingen helfen

12.08.15 BZ

Sie tragen tütenweise Essen auf den Hof, laden Spielsachen aus dem Kofferraum ihrer Autos und verteilen es an Flüchtlinge, die oft nur knapp dem Tod entronnen sind. In Karlshorst werden die Fremden mit offenen Armen empfangen. Danke, ihr Karlshorster Helden!

Seit Freitagabend wird das ehemalige Telekom-Gelände an der Köpenicker Allee von Flüchtlingen bewohnt. Mittlerweile sind es 602 Menschen, die hier Unterschlupf gefunden haben. Täglich kommen weitere hinzu. Sie wohnen in früheren Bürotürmen, teilweise stehen bis zu acht Betten in einem Zimmer.
Die 138 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sorgen dafür, dass die Menschen bei der Hitze genug Wasser zu trinken haben und jeder einen Schlafplatz bekommt. Ungewöhnlich ist das Engagement der Anwohner, die im Minutentakt auf das Gelände kommen und mit anpacken.
Jens Quade, Präsident des DRK Müggelspree: „Das Engagement in Karlshorst ist größer als gewohnt. Sowas habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt. Ganz besonders finde ich, dass die Menschen Fremden helfen und nicht ihren Nachbarn!“
Christina Gatterer (30) etwa verfasste einen Spendenaufruf auf Facebook, brachte am Mittwochnachmittag Kleider und Baby-Sachen in die Notunterkunft. „Ich will nicht nur reden”, sagt sie, “sondern auch etwas tun! Wenn ich selbst in Not wäre, würde ich mich auch über Hilfe freuen.”
Gegen 13 Uhr drängeln sich Flüchtlinge in einer Schlange vor der Essensausgabe. Hinter dem Tresen steht Laura Gerber (21), Studentin. Sie schöpft mit einer Kelle Reis und Erbsen auf die Plastikteller, sagt: „Ich möchte Gutes tun. Das Schicksal dieser Menschen geht mir nahe.“
DRK-Präsident Quade ist stolz auf die vielen freiwilligen Helfer, hofft auf weitere Unterstützung. „Wer helfen möchte, kann auf unserer Website sehen, was gerade dringend gebraucht wird. Am hilfreichsten sind Geldspenden. Dann können wir gezielt kaufen, was gerade gebraucht wird.“

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