Früheres Rathaus ist jetzt Notunterkunft

14.08. RBB

Erst Anfang der Woche war es zur zukünftigen Flüchtlingsunterkunft erklärt worden – jetzt ist das frühere Rathaus Wilmersdorf schon Schlafplatz für Asylbewerber. Denn die anderen Unterkünfte sind voll belegt. Auf der Suche nach Schlafplätzen machen die Behörden inzwischen auch vor alten Gefängnissen nicht mehr Halt.

Das ehemalige Rathaus Wilmersdorf ist seit Freitagabend als Notunterkunft für Asylbewerber geöffnet. Das teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit. Ursprünglich sollte das Rathaus Wilmersdorf erst Ende August als Flüchtlingsunterkunft eröffnet werden.

Auch das Karlshorster Heim ist voll
Berlin wolle allen Flüchtlingen eine Unterkunft bieten, erklärte zuvor eine Sprecherin der Sozialverwaltung. Aber auch die Notunterkunft Karlshorst sei inzwischen mit fast 1.000 Flüchtlingen voll belegt. Das ehemalige Telekom-Bürohaus im Berliner Osten war ebenfalls erst am vergangenen Wochenende bezogen worden. Alle 61 Heime in Berlin seien voll belegt, hieß es am Freitag. Am Freitagnachmittag bauten daher Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes Betten für Flüchtlinge in dem Wilmersdorfer Behördenbau auf.
Dass das Rathaus in Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz zur Flüchtlingsunterkunft werden sollte, hatte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) erst am Montagabend bestätigt. Das Verwaltungsgebäude steht seit Ende vergangenen Jahres leer und sollte ursprünglich wieder von einer Behörde bezogen werden. Doch die landeseigene BIM, der das Gebäude gehört, zeigte sich nach rbb-Recherchen offen dafür, das ehemalige Rathaus als Flüchtlingsheim zu nutzen.

Frühere Gefängnisse könnten umgebaut werden
Flüchtlinge sollen künftig möglicherweise auch in alten Gefängnisgebäuden untergebracht werden. Im Gespräch waren am Freitag vier Standorte: die ehemalige Jugendarrestanstalt in Lichtenrade, der Abschiebegewahrsam in Grünau, ein Gefängnisgebäude in Lichterfelde und die Jugendstrafanstalt in Plötzensee.
Der landeseigene Immobiliendienstleister BIM hat die Gebäude geprüft. Eine Sprecherin sagte, der Aufwand, sie als Flüchtlingsunterkunft umzubauen, sei überschaubar. Klar sei, dass die Flüchtlinge in ihrer Freiheit nicht eingeschränkt werden dürften – Gitterstäbe müssten abmontiert und normale Türen eingebaut werden. Ob der Umbau tatsächlich erfolgen solle, müsse nun mit dem Lageso geklärt werden.

Mobile Aufnahmeteams fahren in die Lager
Die Situation vor der Zentralen Anlaufstelle (ZAA) auf dem Gelände des Lageso hatte sich in den vergangenen Wochen zugespitzt. Täglich sprechen dort zwischen 1.000 und 2.000 neue
Asylbewerber zur Registrierung sowie bereits untergebrachte Flüchtlinge in der Leistungsstelle vor. Das Personal kam nicht mehr hinterher.
Am Dienstag stellte Sozialsenator Mario Czaja ein Konzept vor, wie die Stadt die Asylbewerber künftig schneller und besser versorgen will. Teil dieses Plan ist es, durch mobile Aufnahmeteams des Lageso die Warteschlangen in Moabit zu verkürzen. Im Juli und August spitzte sich die Situation vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) zu: Immer mehr Asylbewerber versammelten sich dort, um bei der Zentralen Anlaufstelle (ZAA) auf dem Gelände vorzusprechen.

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