Brandanschlag in Marzahn

22.08.2015 RBB
„Feige und menschenverachtende Tat“

Wieder ein Angriff auf eine Flüchtlingsunterkunft im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf: Mehrere Täter haben in der Nacht zu Freitag brennende Holzlatten über den Zaun geschleudert. Niemand kam zu Schaden, drei Verdächtige wurden festgenommen. Berliner Landespolitiker reagieren mit deutlichen Worten.

Auf das Flüchtlingsheim am Blumberger Damm im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist in der Nacht zum Freitag ein Brandanschlag verübt worden. Verletzt wurde niemand.
Wie die Polizei am Freitag mitteilte, näherten sich die Täter kurz vor Mitternacht dem Containerdorf von einer Seitenstraße aus. Ein Wachmann der Einrichtung entdeckte die fünf dunkel gekleideten Personen mit den brennenden Holzlatten. Als er die Gruppe anschrie, flogen die brennenden Latten über den Zaun.

Nach Angaben der Polizei landeten insgesamt neun Brandsätze auf dem Rasen. Gebäude wurden nicht beschädigt. Ein Bewohner konnte das Feuer mit einem Gartenschlauch löschen, sodass niemand zu Schaden kam.

Polizei nimmt drei Personen fest
In der Nähe des Tatorts nahm die Polizei drei Verdächtige fest. Ein 21 und ein 25 Jahre alter Mann sowie eine 41-jährige Frau wurden ins Landeskriminalamt gebracht und dort verhört. Einer der Männer ist der Polizei bereits wegen rechtsmotivierter Straftaten bekannt. Über Erkenntnisse aus den Verhören liegen derzeit keine Informationen vor.

Empörung und Entsetzen bei Politikern
Sozialsenator Mario Czaja (CDU) verurteilte den Anschlag „aufs Schärfste“. „Das ist eine feige und menschenverachtende Tat. Damit wird die Gefährdung von Menschenleben ganz bewusst in Kauf genommen“ sagte er am Freitag. Er erinnerte an die vielen freiwilligen Helfer, die sich mit „bewunderswertem, selbstlosen Einsatz“ um die Flüchtlinge kümmern. Dies zeige „das wahre Gesicht unserer Stadt“.
Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) reagierte mit deutlichen Worten auf den Anschlag. „Es ist niederträchtig, Menschen einschüchtern, die in unserer Stadt Schutz suchen“, sagte er am Freitag. „Wenn Menschen mit brennenden Holzlatten vor einer Flüchtlingsunterkunft umherziehen, dann soll offensichtlich ein Klima der Angst geschaffen werden. Das ist widerwärtig und nicht zu tolerieren.“
Der Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß, verurteilte den Anschlag. „Es ist unmenschlich, Menschen in Fluchtsituationen zu verfolgen und zu verängstigen“, sagte der SPD-Politiker. Die Flüchtlinge hätten ein Recht auf eine sichere Aufnahme und einen ungestörten Aufenthalt während ihre Asylverfahren bearbeitet werden.

Widerstand seit Baubeginn
Schon in der Planungs- und Bauphase des Flüchtlingsheims hatte es dort seit vergangenem Herbst immer wieder Demonstrationen von Gegnern wie Unterstützern der Flüchtlinge gegeben. An Kundgebungen gegen die Unterkunft, die nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes oft von der NPD organisiert wurden, nahmen auch Rechtspopulisten und Neonazis teil.
Seither kam es immer wieder zu Übergriffen gegen die Flüchtlinge, berichtet Kathi Becker, Koordinatorin der Berliner Register für rechtsextremistische Vorfälle: „Die Anwohner stehen dann vor dem Heim und bedrohen die Menschen, zeigen mit der Hand einen durchgeschnittenen Hals oder greifen die Leute an. Dreimal wurden schon Anwohner geschlagen, als sie angekommen sind.“ Ende Juli hätten Anwohner die Eingangstür zum Heim blockiert.
Die Unterkunft am Blumberger Damm ist seit Juli in Betrieb. Sie ist die dritte von insgesamt sechs Wohncontaineranlagen in Berlin. Dort leben 400 Menschen aus Syrien, Irak und Afghanistan, darunter auch Familien mit kleinen Kindern.

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