Asyl Berlin öffnet Heim für besonders traumatisierte Flüchtlinge

29.08.2015 Morgenpost
Am Montag eröffnet ein Heim für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge: schwer Traumatisierte, Hochschwangere oder homosexuelle Paare.

Im oberen Stock sonnengelb, in der Mitte meerblau, im Erdgeschoss grasgrün – die Bodenfarben sollen an die verlorene Heimat vieler Flüchtlinge erinnern und auf die neue vorbereiten. Erbauer und Betreiber haben viele Details bewusst gewählt. Das letzte der sechs Wohncontainerheime, das der Berliner Senat für Asylbewerber errichtet hat, sticht heraus: durch seine Bauweise, durch seine Bewohner, durch das Angebot.

Am Montag sollen die ersten der künftig 300 Asylbewerber am Ostpreußendamm in Steglitz-Zehlendorf einziehen. Es ist für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge vorgesehen. Dazu zählen nicht nur traumatisierte Menschen, sondern auch Mütter mit Kindern, hochschwangere Frauen oder homosexuelle Paare. Dort sollen sie Ruhe, Schutz und Betreuung finden.
Mehr Privatsphäre als in anderen Heimen

Betreiber des in Zehlendorf an einem Waldrand gelegenen Gemeinschaftsheimes ist der Diakonie-Tochterverein „Miteinander leben, aber anders“ (Milaa). „Die Menschen haben oft Folter, Verfolgung, Krieg und eine lebensbedrohliche Flucht übers Mittelmeer hinter sich. Sie leiden unter Depressionen, Ängsten, Albträumen und Schlafstörungen“, sagt Milaa-Geschäftsführerin Gisela Netzeband. Die Diakonie und ihre Tochter hätten jahrelange Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit.

Die besondere Schutz- und Ruhebedürftigkeit spiegelt sich auch in der Bauweise wieder. „Wir haben hier vieles zum ersten Mal ausprobiert und aus den Erfahrungen in den anderen Heimen gelernt“, erzählt Detlef Cwojdzinski, der Leiter der Task Force Notunterbringung des Senats. Stolz ist er darauf, dass Berlin innerhalb eines Jahres sechs Wohncontainerdörfer mit 2200 Plätzen hinstellte und jetzt besser mit neuen Heimen gerüstet ist als andere Bundesländer. „Der Wohncontainermarkt ist inzwischen leer gefegt“, sagt Cwojdzinski.

Behindertengerechte Zimmer

Von außen sähen sie zwar noch wie Container aus, aber von innen wie ein modernes Fertighaus, betont der Bauleiter. Mehr Privatsphäre ist bei all dem das Motto. Das summiere sich am Ostpreußendamm auf Zusatzkosten pro Platz von 1000 Euro.

So erhalten bei Bedarf Frauen auf der einen, Männer auf der anderen Seite ihre Zimmer. Dazwischen sind Familien untergebracht. In einem Haus wurden auch kleine Wohngemeinschaften für Behinderte geschaffen, je zwei in behindertengerechten Zimmern mit eigenem Bad dazwischen.

30 Quadratmeter groß sind auch die Gemeinschaftsküchen mit je sechs Spülen und Herden, die ausreichend Platz für gemeinsames Kochen und Essen bieten. Die Herde schalten sich nach gewisser Zeit selbst ab. Unbeaufsichtigte Herde führten in anderen Heimen schon zu brenzligen Situationen. Die großen Dusch- und Toilettenbereiche wurden mit Umkleidekabinen ausgestattet. Erstmals ist auch je Einheit eine Hocktoilette eingebaut.

Anwohner wollen helfen

Netzeband freut sich besonders auf die Zusammenarbeit mit dem Stadtteil Zehlendorf und den Anwohnern. Es gebe schon viele Hilfsangebote von Sprach- bis Nähkursen. „Vor Sachspenden können wir uns gar nicht retten.“

Auf dem Gelände ist seit langem ein Jugendclub ansässig, der eine Bahn für BMX-Räder angelegt hat. Die werde künftig von Jugendlichen des Bezirks und den Flüchtlingen gemeinsam genutzt, sagt die Diakonie-Mitarbeiterin. Als Plus obendrauf: „Wir wollen den Garten gemeinsam mit den Flüchtlingen anlegen“, erzählt Netzeband. „Die Selbstversorgung mit Gemüse und Obst gehört zu vielen Kulturen der Flüchtlinge.“

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