Berlin hat eine Zeltstadt gebaut

4.9.15 BILD
Auf dem Gelände der ehemaligen Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau stehen Feldbetten für 710 Asylbewerber

Berlin bereitet sich auf die Flüchtlinge aus Budapest vor. 14 000 Menschen sind laut dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (50, SPD) nach Deutschland unterwegs. Müller rechnet in den nächsten Tagen mit mehreren hundert bis tausenden Asylbewerbern, die in Berlin auf Hilfe hoffen. Um sie unterzubringen, wird jetzt jede Möglichkeit genutzt.
Die Berliner Feuerwehr und freiwillige Wehren haben in der Nacht zu gestern auf dem Gelände der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau eine Zeltstadt errichtet. 71 provisorische Unterkünfte, jede etwa zehn Meter lang und fünf Meter breit, wurden dort aufgestellt. 710 Flüchtlinge sollen hier vorübergehend leben.

Müller: „Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass sich die Situation der Flüchtlingsunterbringung in Berlin in den nächsten Tagen deutlich verschärft. Wir haben im Moment noch ein unklares Bild. Ständig ändert sich die Nachrichtenlage.“

Gestern besuchten Müller, Innensenator Frank Henkel (51, CDU) und Gesundheitssenator Mario Czaja (39, CDU) die Spandauer Zeltstadt, bedankten sich bei den Helfern für ihre Arbeit.

„Außergewöhnliche Zeiten verlangen nach außergewöhnlichen Maßnahmen“, sagte Henkel. Und weiter: „Angesichts der Vielzahl der geflüchteten Menschen geht es jetzt darum, ganz pragmatische, unbürokratische und flexible Maßnahmen zu ergreifen.“

In der früheren Kaserne auf dem Gelände leben bereits 780 Flüchtlinge. Dort gibt es auch noch 150 Plätze, die vor allem für Mütter mit Kindern vorgesehen sind. Laut Czaja bietet das Areal noch weitere Gebäude, die nach einer Sanierung 1000 Menschen zur Verfügung stehen könnten.

Außerdem prüft der Senat, ob bis zu 1500 Flüchtlinge in zwei Hangars auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof untergebracht werden können. In der Bundesallee in Wilmersdorf soll in den nächsten Tagen eine zusätzliche Erstaufnahmestelle eingerichtet werden, auch das geschlossene Kongresszentrum ICC in Charlottenburg ist im Gespräch.

Zudem stellt sich Berlin personell darauf ein, um die Anfragen von Flüchtlingen zu beantworten. Henkel kündigte im Inforadio des RBB an, dass dafür pensionierte Beamte, die sich gemeldet hätten, eingesetzt werden sollen – vor allem in der künftigen Erstaufnahmestelle in Wilmersdorf. Henkel zufolge könnten die Pläne innerhalb von sieben Tagen umgesetzt werden.

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