Jede Unterkunft soll Integrationslotsen bekommen

16.09.2015 Tagesspiegel
Der neue Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen will für Grundwerte bei Flüchtlingen werben – und auch Sorgen der Bürger ernst nehmen.

Gemeinsam mit Senatorin Dilek Kolat (SPD) hat sich der neue Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen am Mittwochfrüh in seiner Dienststelle an der Potsdamer Straße vorgestellt. Über sich selbst sagte der 63-Jährige, er habe sich „schon früh für Fragen von Vielfalt interessiert“. In der Verwaltung arbeite er gern, denn: „Im Unterschied zur Universität muss man hier Lösungen finden.“

Und Lösungen braucht es derzeit viele. Es strömen weiter massiv Flüchtlinge in die Stadt. „Die Flüchtlingsaufnahme ist als Aufgabe überbordend, doch trotz ihrer Dominanz bleiben die anderen Themen bestehen“, sagte Germershausen, der seit Jahren in der Integrationsbehörde arbeitet.

Er will in jede neue größere Flüchtlingsunterkunft mindestens einen Integrationslotsen schicken, der arabisch spricht; auch die schon bestehenden Unterkünfte sollen nach und nach mit Lotsen ausgestattet werden. Deren Aufgabe sei es, die Flüchtlinge darin zu unterstützen, sich zurechtzufinden. Die Lotsen seien auch „Botschafter unserer Gesellschaft“ und würden zentrale Werte unserer Grundordnung vermitteln, heißt es vom Senat.

Dies scheint auch nötig zu sein, da die Neuankömmlinge hinsichtlich der Werte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung Wissenslücken haben. Derzeit gibt es laut Sozialverwaltung 75 Unterkünfte, von denen 29 Notunterkünfte sind. Die Zahl steigt wegen des Zustroms stetig. Bisher sind rund 40 Integrationslotsen im Einsatz.
2016 soll ein „Willkommenszentrum“ entstehen

Germershausen kündigte außerdem die Errichtung eines „Willkommenszentrums“ für Sommer 2016 an. Dort bekämen alle Zuwanderer Beratung. Er appellierte, Sorgen und Nöte der Menschen angesichts des enormen Flüchtlingszustroms ernst zu nehmen. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Hilfsbereitschaft bleibt“, sagte Germershausen, der Sozialwissenschaften studiert hat.

Dafür müsse stärker in die „Stadtgesellschaft hineingewirkt“ und die Zusammenarbeit zwischen der Integrationsverwaltung und den Bezirken, Kiezen und Initiativen vor Ort stärker ausgebaut werden. „Wir sind da an einem entscheidenden Punkt“, konstatierte Germershausen. Was das aber konkret bedeutet, war dem neuen Integrationsbeauftragten kaum zu entlocken.
Germershausen verfügt über 18,5 Millionen Euro Budget

Umstritten ist die Zuordnung seines Postens zu einer Abteilungsleiterstelle statt eines Postens etwa im Rang eines Staatssekretärs. Die Herabstufung vom unabhängigen Amt zu einer Abteilung ihres Hauses war eine der ersten Amtshandlungen Kolats. Der damalige Integrationsbeauftragte Günter Piening trat Anfang 2012 zurück, kurz nach Beginn der rot-schwarzen Koalition. Seine Nachfolgerin Monika Lüke ging Ende Mai 2015.

Der 63-jährige Andreas Germershausen wurde am Dienstag vom Senat berufen. Er hat ein Budget von 18,5 Millionen Euro und derzeit 30 Mitarbeiter; es sollen 42 werden. Germershausen hatte sich unter 60 Bewerbern durchgesetzt. Er ist schon seit 2001 in der Behörde und war zuletzt Lükes Stellvertreter.