SEZ und Kreuzberger Wohnungen als Flüchtlingsunterkünfte?

20.9.15 berlin.de
Turnhallen in Pankow, Kreuzberger Luxuswohnungen: Der Andrang an Flüchtlingen erfordert in Berlin immer wieder neue Ideen für Unterkünfte.

Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Friedrichshain und Wohnungen in einem luxuriösen Kreuzberger Areal sind als Flüchtlingsunterkünfte im Gespräch. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) prüfe, die Sporthalle des SEZ zu nutzen, sagte ein Sprecher des Bezirksamtes von Friedrichshain-Kreuzberg am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Einzelheiten konnte er nicht nennen, da der Gebäudekomplex nicht dem Bezirk gehört, sondern einem Investor. Dieser hatte das SEZ – einst Vorzeige-Erlebnisbad der DDR – im Jahr 2003 gekauft.

Bereits am Freitag war bekanntgeworden, dass auch die Turnhallen zweier Schulen im Bezirk Pankow zu Flüchtlingsdomizilen umfunktioniert werden. In den Sporthallen des Primo-Levi-Gymnasiums in Weißensee und des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums kommen Medienberichten zufolge insgesamt rund 250 Flüchtlinge unter. «Wir brauchen jetzt auch die Hallen, weil die Kapazitäten natürlich total ausgeschöpft sind», sagte eine Sprecherin der Sozialverwaltung in der «RBB-Abendschau».

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg will am Mittwoch über einen Antrag eines Grünen-Abgeordneten beraten, die Beschlagnahmung von Wohnungen in «Riehmers Hofgarten» zu prüfen. In der prachtvollen Wohnanlage an der Yorckstraße, die in der Gründerzeit entstand und unter Denkmalschutz steht, gebe es viel Leerstand, sagte der Bezirksamtssprecher. Es gebe in der BVV offenbar breite Unterstützung für den Plan, dort Flüchtlinge einzuquartieren. Die Eigentümer sollen eine Entschädigung bekommen, die sich am Mietspiegel orientiert. Die «Berliner Morgenpost» hatte zuerst darüber berichtet.

Diese Idee ist ganz im Sinne der Vorstandsvorsitzenden der Berliner Volkssolidarität und ehemaligen Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke). «Derzeit stehen nach Schätzungen bis zu 5000 Privatwohnungen in Berlin spekulativ leer», sagte sie im Interview der «Berliner Zeitung». «Die sollte man beschlagnahmen. Die rechtlichen Möglichkeiten gibt es.»

Knake-Werner forderte außerdem, es müsse in Berlin deutlich mehr für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt getan werden. «Grundsätzlich wäre es besser, wenn die berufliche Qualifikation der Flüchtlinge bereits bei ihrer Ankunft erfasst würde», sagte sie im Interview der «Berliner Zeitung» (Samstag). «Doch damit ist das Lageso völlig überfordert.»

Hunderte neue Flüchtlinge sollen am Sonntag aus Bayern in der Hauptstadtregion eintreffen. Am Sonntagmorgen wird nach Angaben des Brandenburger Innenministeriums ein Sonderzug mit bis zu 500 Asylsuchenden am Bahnhof Berlin-Schönefeld Flughafen erwartet. 300 dieser Flüchtlinge sollen in Berlin untergebracht werden.

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