Erste Flüchtlinge in Berliner Messehalle untergebracht

1.10.15 RBB

Eigentlich sollte die Messehalle 26 in Berlin erst zum Wochenende bezugsfertig sein, doch alle anderen Unterkünfte sind voll: Seit Donnerstagabend wurden etwa 360 Flüchtlinge auf dem Messegelände untergebracht – Platz ist dort für 1.000 Menschen. Auch das ICC und zwei Hangars in Tempelhof werden jetzt als Flüchtlingsunterkünfte hergerichtet.

Auf dem Berliner Messegelände sind am Donnerstagabend die ersten Flüchtlinge eingetroffen, bis Freitagvormittag hatten in der Halle 26 etwa 360 Menschen Platz gefunden. Betreiber der Unterkunft ist der Malteser-Hilfsdienst.

Die Halle nahe des südlichen Eingangs zum Messegelände sollte eigentlich erst am Wochenende bezugsfertig sein. Am Donnerstag kamen jedoch am Bahnhof Schönefeld zwei Sonderzüge aus Passau mit Flüchtlingen von der Balkanroute an; die anderen Kapazitäten waren erschöpft.
Nach Angaben des Staatssekretärs für Flüchtlingsfragen, Dieter Glietsch, sollen insgesamt 1.000 Menschen in der Messehalle untergebracht werden. Dort sollen vor allem die Flüchtlinge aus den Zelten vor der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne unterkommen.

Nutzung der Messehalle wohl nur bis zum 14. Dezember
Auf dem Messegelände dürfte es bereits ab Mitte Oktober zu ungewöhnlichen Begegnungen kommen: Dann beginnt dort die Erotikmesse Venus. Die Halle 26 ist nur eine Übergangslösung für einige Wochen, erklärte Dieter Glietsch. „Bis zum 14. Dezember können wir die Halle nutzen, danach braucht die Messe sie für die Grüne Woche“, sagte er.
Bis dahin sollen laut Glietsch vier weitere große Objekte bezugsfertig sein, in die die Bewohner der Halle 26 dann ausweichen können. Dazu zählten auch das ICC, das für für 500 Plätze vorbereitet werde, sowie zwei Hangars auf dem früheren Flughafen Tempelhof, wie Glietsch der Abendschau bestätigte. „Wir bekommen auch weiterhin Züge mit Flüchtlingen in großer Zahl. Wir wissen nicht, wie sich die Zahlen weiter entwickeln und brauchen für den Winter so viele Unterkünfte, dass wir auch sicher sein können, dass wir die Menschen, die zu uns kommen, nicht in die Obdachlosigkeit entlassen“, sagte Glietsch.

Experten für Gesundheitsschutz haben ICC überprüft
Die geplante Nutzung des ICC kommt überraschend. Das stark sanierungsbedürftige Gebäude wurde im April 2014 geschlossen, es ist asbestbelastet. Allerdings ist darin der vergleichsweise unbedenkliche Plattenasbest verbaut: Nur wenn er mit scharfkantigen Gegenständen bearbeitet wird oder an Stellen, die große Risse aufweisen, können die giftigen Fasern austreten.
In den vergangenen Wochen überprüften Experten vom Berliner Landesamt für Gesundheitsschutz das ICC und hatten danach keine Einwände, Teile des Gebäudes freizugeben. Auch brandschutzrechtliche Bedenken seien nach der Prüfung ausgeräumt worden, sagte der Sozialsstaatssekretär Dirk Gerstle (CDU) am Donnerstag dem rbb. „Jetzt ist es erforderlich, Lüftung, Strom, Wasser wieder hochzufahren, das dauert noch eine Zeit. Danach wird eine Teilnutzung des ICC in wenigen Wochen möglich sein“, erklärte Gerstle.

Rat der Bürgermeister spricht über Flüchtlingsunterkünfte
Auf dem Geländes des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) wurde am Donnerstag offiziell die Zentrale Impfstelle für Flüchtlinge eröffnet. Dort werden täglich mehr als 200 Asylbewerber geimpft. Am Vormittag traf sich am Donnerstag der Rat der Bürgermeister, um über die Betreuung von Flüchtlingen zu beraten. Dabei ging es vor allem um die Unterkünfte, aber auch um die medizinische Versorgung, etwa mit Impfungen und Medikamenten. „Wir haben viele kleine Kinder die jetzt Schnupfen kriegen, erkältet sind. Ganz banale Sachen letztendlich, die sich aber doch mehren. In den Einrichtungen selber gibt es überhaupt keine Mittel zur medizinischen Versorgung“, sagte die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), dem rbb.
Sie beklagte, dass einige Flüchtlingseinrichtungen inzwischen finanzielle Probleme hätten. In diesem Punkt zeigten sich alle Berliner Bürgermeisterinen und -bürgermeister einig: Sie fordern dringend mehr Personal und mehr Geld, um die wachsende Zahl von Flüchtlingen betreuen zu können.

Heilmann fordert schnellere Abschiebungen
Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) forderte angesichts der noch immer steigenden Zahlen ankommender Flüchtlinge weitere Maßnahmen für eine schnellere Abschiebung abgelehnter Asylbewerber. Die vom Bundeskabinett beschlossenen Änderungen im Asylrecht könnten nur ein erster Schritt sein, sagte er am Donnerstag im rbb-Inforadio. So sollten abgelehnte Asylbewerber auch bei ärztlicher Behandlung abgeschoben werden dürfen, insofern es in ihrer Heimat eine funktionierende Gesundheitsversorgung gebe. Zudem müssten Rechtsfragen bei einem Gericht gebündelt und verkürzt werden.

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