Flüchtlinge werden nicht mehr in Hostels einquartiert

17.10.2015 Morgenpost

Das Lageso will weitere in Berlin ankommende Flüchtlinge nicht mehr in Hostels unterbringen – sondern Unterkünften des Landes.

In Berlin werden keine neuen Hostelgutscheine an Flüchtlinge mehr ausgegeben. Das hat die Senatssozialverwaltung der Berliner Morgenpost am Freitag bestätigt. Allerdings wohnen auch weiterhin Asylbewerber in denjenigen Hostels, mit denen das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) einen Vertrag abgeschlossen hatte.

Dabei handelt es sich um rund zehn Häuser. Der Platz in einem dieser Hostels wird den Flüchtlingen direkt vom Lageso zugewiesen, wie für andere Gemeinschaftsunterkünfte auch. „Neue Hostelgutscheine werden nicht mehr ausgegeben, weil neu ankommende Flüchtlinge nach ihrer Ersterfassung an der Turmstraße bis zu ihrer Registrierung in Unterkünften untergebracht werden, die das Land Berlin bereitstellt. Dies ist Teil des neuen Prozesses, der mit Eröffnung unserer neuen Erstaufnahmestelle in der Bundesallee angelaufen ist“, sagte dazu Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Derzeit leben noch 1050 Flüchtlinge in Hostels, im Sommer waren es etwa doppelt so viele.

Mehrere Tausend unbezahlte Hostel-Rechnungen im Lageso

Das System der Hostelunterbringung wurde in den vergangenen Monaten stark kritisiert. Das Lageso stellte Tausende Blanko-Gutscheine aus. Damit mussten sich Flüchtlinge selbst ein Hostel suchen, das sie aufnimmt. Das gelang ihnen oft nicht – auch weil Hostelbetreiber keine Asylbewerber mehr aufnehmen wollten. Wesentlicher Grund war, dass die Landesbehörde ihre Rechnungen nur schleppend beglich. Offiziell heißt es zwar von der Sozialverwaltung, dazu lägen dem Lageso „keine konkreten Erkenntnisse“ vor. Bekannt ist aber, dass das Landesamt im Sommer dieses Jahres zwischenzeitlich auf einem Berg von mehreren Tausend ungeprüfter Rechnungen von Hostelbetreibern saß.

Das System ermöglichte zudem einigen Geschäftemachern, viele Flüchtlinge auf engem Raum in schlecht ausgestatteten Häusern zusammenzupferchen. Die Beherbergung von Flüchtlingen in Hostels und Pensionen „stellt keine angemessene Unterbringung von Schutz und Zuflucht suchenden Personen dar. Sie war in der Vergangenheit daher nur für plötzliche Engpässe, also bei tageweisen Notfällen, gedacht“, stellte die Senatsverwaltung in einer Erklärung klar. Es sei vorgesehen gewesen, auch die Kontingente in den Vertragshostels schrittweise aufzukündigen. Das sei allerdings derzeit wegen des anhaltenden Flüchtlingszustroms und mangelnder Alternativen nicht möglich, sagte eine Sprecherin der Sozialverwaltung am Freitag.

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