Abriss in Cottbus und Schwedt wird gestoppt: Flüchtlinge sollen in die Platte ziehen

18.10.15 RBB

Wegen der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen stoppt Brandenburg den Abriss von leerstehenden Plattenbauten in Schwedt und Cottbus. Die Wohnungen sollen mit dem Geld, das für den Abriss vorgesehen war, saniert werden. In Eisenhüttenstadt werden derzeit außerdem winterfeste Hallen für die Unterbringung der Flüchtlinge errichtet.

Angesichts sinkender Temperaturen arbeiten Land und Stadtverwaltungen in Brandenburg derzeit daran, winterfeste Unterkünfte für Flüchtlinge vorzubereiten. In Schwedt/Oder (Uckermark) und Cottbus wurde deshalb der Abriss weiterer Plattenbauten gestoppt. In den leerstehenden Wohnungen sollen künftig Flüchtlinge unterkommen, wie Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos) auf eine Anfrage mitteilte.

Jetzt werde geprüft, wie die für den Abriss vorgesehenen Häuser als Flüchtlingsunterkünfte hergerichtet werden können, sagte ein Sprecher. Wegen des großen Zustroms von Flüchtlingen sind in vielen Kommunen die Unterbringungsmöglichkeiten erschöpft.

39.000 leerstehende Wohnungen

Das Land will jetzt das Geld, das eigentlich für den Abriss der Wohnungen vorgesehen war, für die Sanierung von 4.000 Wohnungen verwenden: Zur Verfügung stehen 17,5 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren waren in Schwedt und Cottbus rund 6.400 Wohnungen abgerissen worden. Insgesamt stehen in Brandenburg rund 39.000 Wohnungen leer, verteilt auf 50 Städte.

Städte in Brandenburg trennen sich seit Jahren von leerstehenden Plattenbauten. Vor allem in Städten mit großen Neubaugebieten wie Frankfurt (Oder), Cottbus, Schwedt und Eisenhüttenstadt verschwanden Zehntausende von Wohnungen.

In Eisenhüttenstadt sei der Leerstand allerdings so groß, dass der Rückbau fortgesetzt wird, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung der dpa. Gleichzeitig errichtet das Land in Eisenhüttenstadt neue winterfeste Hallen für Flüchtlinge. „Die Hallen sind besser als jedes Zelt“, lobte Innenstaatssekretär Matthias Kahl bei einer Besichtigung die Konstruktionen.

11.000 Flüchtlinge im Oktober in Brandenburg erwartet

Täglich kämen 200 bis 300 Flüchtlinge im Land an, die nun auch in den Hallen untergebracht werden müssten. Sollte diese Zahl konstant bleiben, sei Brandenburg für die Unterbringung der Menschen im Winter entsprechend gerüstet, sagte Kahl. Im Oktober werden bis zu 11.000 Flüchtlinge erwartet. Im September seien es mehr als 7.000 gewesen.

In Eisenhüttenstadt, wo sich die Erstaufnahmestelle des Landes befindet, werden derzeit 17 Hallen mit Fenstern errichtet. Die ersten Quartiere stehen schon. Noch fehlt das Innenleben für die zwölf Räume pro Halle. Die nicht beheizbaren Zelte wurden bereits abgebaut.

In die neuen Hallen wird nun über dicke Rohre Wärme gepumpt. Ein Raum ist für fünf Menschen gedacht, wie Hubertus Diemer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Brandenburg, sagte. Die Zimmer sollen mit Betten und Schränken möbliert werden. Sanitärcontainer befinden sich außerhalb der Bauten. In der kommenden Woche sollen die ersten neuen Unterkünfte bezogen werden.
Männer aus Syrien, Afghanistan und Pakistan ziehen als erste in die Hallen

Derzeit leben auf dem Bundespolizei-Gelände an der Unterschleuse der Stadt rund 100 alleinreisende Männer aus Syrien, Afghanistan und Pakistan. Sie sind aus den nun abgebauten Zelten vorübergehend in eine frühere beheizbare Bootshalle gezogen. Sie werden als erste in den neuen Hallen wohnen, sagte Diemer. Insgesamt sei Platz für rund 1.000 Menschen.

Die Erstaufnahmestelle bietet derzeit Platz für rund 4.700 Asylsuchende. Täglich helfen 30 Bundeswehrsoldaten bei der Registrierung der Neuankömmlinge. Die Kommune, die wegen der Erstaufnahmestelle keine Flüchtlinge zu beherbergen brauchte, versorgte erste Familien mit Wohnraum. Bis Jahresende sollen dann auch rund 300 Ausländer in Wohnungen unterkommen, sagte eine Stadtsprecherin.

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