Brandenburg baut Hallen für 2000 Flüchtlinge

19.10.15 Berliner Zeitung

Der Ausbau von winterfesten Hallen als Flüchtlingsunterkünfte kommt voran: Am Dienstag sollen die ersten 112 Asylbewerber in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) in zwei Leichtbauhallen einziehen, wie Ministeriumssprecher Wolfgang Brandt am Montag berichtete. Auf dem Gelände an der Unterschleuse werden bis zum Ende der Woche insgesamt sechs Hallen für jeweils 56 Flüchtlinge aufgebaut. Die Hallen sind in 12 Räume aufgeteilt, die jeweils fünf Menschen Platz bieten. Insgesamt sollen in Eisenhüttenstadt, wo sich die Erstaufnahmestelle des Landes befindet, 17 Hallen entstehen.

Nachdem im September mehr als 7000 Flüchtlinge nach Brandenburg gekommen waren, werden in diesem Monat sogar bis zu 11 000 Neuankömmlinge erwartet. Bis zum 14. Oktober waren es bereits 5600 Menschen. Auf absehbare Zeit erwartet das Innenministerium am Bahnhof Schönefeld (Dahme-Spreewald) täglich einen Sonderzug aus Freilassing mit mehreren Hundert Flüchtlingen, die auf Erstaufnahmen in Brandenburg und Berlin verteilt werden.

Um die Menschen unterbringen zu können, will das Land in den nächsten Wochen auch auf einem Gelände mit ehemaligen Ministeriumsbauten in Potsdam und an der Frankfurter Messe Leichtbauhallen errichten. «Zudem suchen wir noch nach einem weiteren Standort», sagte Brandt. In den Hallen sollen etwa 2000 Menschen Platz finden, bis sie auf die Städte und Gemeinden verteilt werden können. Dabei handelt es sich vorwiegend um Einzelreisende. Im Dezember könnte auch ein neues Haus in der Erstaufnahme Eisenhüttenstadt von Familien bezogen werden.

Angesichts der vielen Flüchtlinge unterstützt der Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) die Forderung der Bundesorganisation nach einem Grenzzaun. «Kosten und Aufwand wären zwar immens», sagte der Brandenburger Landesvorsitzende Peter Neumann der Deutschen Presse-Agentur. «Die Entwicklung muss aber gestoppt werden.» Für einen Grenzzaun hatte sich zuvor der Bundesvorsitzende Rainer Wendt ausgesprochen. «Wenn wir ernst gemeinte Grenzkontrollen durchführen wollen, müssen wir einen Zaun entlang der deutschen Grenze bauen», sagte Wendt der «Welt am Sonntag».

Inzwischen stehe die Sicherheit auf dem Spiel, meinte Neumann dazu. «Wir haben die Sorge, dass die Polizisten zwischen die Fronten geraten – angesichts des wachsenden Unmuts bei Teilen der Bevölkerung einerseits und bei Asylsuchenden andererseits.» Zudem fühlten sich die Kommunen bereits jetzt überfordert.

Denn auch die Städte können den Andrang teils nur noch mit der Einrichtung von größeren Quartieren bewältigen. So sollen auf dem Gelände eines Potsdamer Kulturzentrums Anfang November ebenfalls Leichtbauhallen errichtet werden. Auch in das alte Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg sollen Flüchtlinge einziehen. Die Stadt verhandelt derzeit mit den Eigentümern, die die ehemalige Reichskriegsschule im Juni gekauft hatten, um dort Wohnungen und Gewerberäume einzurichten.

Der Filmpark Babelsberg ist bei Suche nach möglichen Flüchtlingsquartieren ebenfalls im Gespräch. Der Stadtsprecher sagte, der Eigentümer habe seine Bereitschaft erklärt, die Caligari-Halle zur Verfügung zu stellen. «Wenn wir das dringend brauchen, würden wir darauf zurückgreifen.» Für die Unterbringung von Flüchtlingen sollen Hallen aber nur im Notfall genommen werden, betonte der Sprecher. (dpa/bb)

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