Czaja: Sporthallen bleiben weiter Flüchtlingsunterkünfte

23.10.15 Morgenpost
Sporthallen bleiben weiter Flüchtlingsunterkünfte

Mario Czaja will große Industriehallen für Asylbewerber nutzen. Diese Hallen seien wichtiger als das ICC oder Hangars in Tempelhof.

Der Senat schließt nicht aus, dass die Sporthallen, die derzeit mit Flüchtlingen belegt sind, bis zum kommenden Frühjahr für deren Unterbringung genutzt werden. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) hatte bereits nach der Senatssitzung am Dienstag erklärt, die ersten Modularbauten, die unter der Regie der Landesregierung zur Unterbringung von Asylbewerbern errichtet werden, sollen im Frühjahr bezugsfertig sein. Dann, so Kollatz-Ahnen, könnten Notunterkünfte wie zum Beispiel Turnhallen schrittweise aufgegeben werden.

Der Verzicht auf bestehende Notunterkünfte hänge davon ab, wie schnell andere große Flüchtlingsheime zur Verfügung stehen, sagte dazu am Donnerstag Sozialsenator Mario Czaja (CDU) der Berliner Morgenpost. Zudem sei noch nicht absehbar, wie viele Flüchtlinge Berlin in den kommenden Monaten aufnehmen müsse.

Pro Tag kommen 700 Flüchtlinge

Derzeit seien es rund 700 an Werktagen, am Wochenende etwa halb so viele. Wenn es vor dem Frühjahr möglich sei, etwa die Hallen im Horst-Korber-Sportzentrum im Olympiapark Charlottenburg wieder den Sportlern zur Verfügung zu stellen, werde die Sozialverwaltung dies tun, sagte Czaja. Versprechen könne er das zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht. Beobachter halten es angesichts des anhaltenden Flüchtlingsstroms eher für wahrscheinlich, dass der Senat weitere Sporthallen beschlagnahmen muss.

Auch Hangars am ehemaligen Flughafen Tempelhof und das geschlossene Internationale Congress Centrum ICC in Charlottenburg sollen für die Unterbringung von Asylsuchenden hergerichtet werden. Der Sozialsenator warnte allerdings vor dem falschen Eindruck, dass diese Gebäude das Problem fehlender Heimplätze in Berlin lösen könnten. „Das sind zwar große Namen, aber keine wirklich großen Unterkünfte“, wandte er ein.

Keine 1000 Flüchtlinge im ICC

Im ICC könnten weniger als 1000 Flüchtlinge untergebracht werden, in zwei Hangars in Tempelhof bis zu 1200. Weitere Hangars könnten vorerst nicht genutzt werden, weil dort erst Starkstromleitungen verlegt werden müssten. An anderer Stelle seien mit weniger Umbaukosten mindestens ebenso viele Asylsuchende unterzubringen, betonte Czaja, etwa in ehemaligen Produktionshallen der Industrie.

Vom 1. November an dürfen Kommunen nach der geänderten Bundesgesetzgebung Flüchtlingsunterkünfte auch in Gewerbegebieten einrichten. In Berlin ist bereits an der Mertensstraße in Hakenfelde (Spandau) eine Halle mit 1000 Plätzen am Rande eines Gewerbegebiets bezogen worden. In etwa zwei Wochen soll die ehemalige Produktionsstätte von Tetra-Pak in Heiligensee (Reinickendorf) hinzukommen. Dort müsse aber zunächst die Funktionsfähigkeit von Heizung, Lüftung und Wasserversorgung geprüft werden, so der CDU-Politiker. Die Messehalle am Funkturm hingegen, die zurzeit mit mehr als 1000 Flüchtlingen belegt ist, soll zum 15. Dezember wieder freigemacht werden. Das sei mit der Messe Berlin so vereinbart und daran werde auch festgehalten, betonte Mario Czaja.

Fertighäuser auf 60 Grundstücken

Die Modularbauten, also Fertighäuser und Gemeinschaftsunterkünfte in Leichtbauweise, will der Senat stadtweit auf 60 Grundstücken errichten. Finanzsenator Kollatz-Ahnen stellte die gemeinsam mit Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) entwickelte Planung am Dienstag im Senat vor. So sollen 24.000 weitere Plätze für Flüchtlinge geschaffen werden, die später aber auch anders, etwa von Studenten oder sozial benachteiligten Familien, genutzt werden könnten, wenn sie nicht mehr für Asylbewerber benötigt werden.

Der Senat hat für dieses Bauprogramm Kosten von 612 Millionen Euro veranschlagt. Davon sollen rund 200 Millionen Euro aus dem Investitionsfonds des Landes Berlin für die wachsende Stadt kommen. Abgeordnete, auch aus der Koalition, forderten bereits, das Bauvolumen und die Auswahl der Grundstücke auch in Ausschüssen des Landesparlaments zu diskutieren.

Spreeradio sammelt Bekleidung

Der Radiosender 105′5 Spreeradio will Flüchtlingen helfen und sammelt Winterbekleidung, insbesondere für Kinder, ein. Der Spreeradio-Spendenbus steht am heutigen Freitag von 16 bis 20 Uhr vor der Flüchtlingsunterkunft an der Rennbahnstraße 87 in Weißensee. Die gespendeten Kleidungsstücke werden den Bewohnern der Unterkunft sofort zur Verfügung gestellt.

http://www.morgenpost.de/berlin/article206321135/Sporthallen-bleiben-weiter-Fluechtlingsunterkuenfte.html