Kältehilfe-Saison startet: Sorge um Flüchtlinge

30.10.15 Morgenpost

Schon in den vergangenen Jahren reichten die Schlafplätze in Berlin nicht aus. In diesem Jahr kommen auch Flüchtlinge. Es könnte Konflikte geben.

Obdachlose, manche mit Kindern, und nun noch hilfesuchende Flüchtlinge: Die Organisatoren der Berliner Kältehilfe befürchten für den kommenden Winter stärkere Konkurrenz um Notübernachtungsplätze. Dadurch könne es zu „großen Problemen und Auseinandersetzungen in und vor den Einrichtungen der Kältehilfe“ kommen, sagte Caritas-Direktorin Ulrike Kostka am Freitag.

Die Kältehilfe-Saison startet am Sonntag und läuft bis Ende März 2016. Mitorganisatoren der Angebote sind die Diakonie und das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Nach Schätzungen leben in Berlin 2000 bis 4000 Obdachlose.

Zur Verfügung stehen den Angaben nach insgesamt rund 700 Schlafplätze, das seien etwa 170 mehr als im Vorjahr. Die volle Platzzahl soll aber erst ab Dezember bereitstehen. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, sagte Diakonie-Direktorin Barbara Eschen. Als Ursache sehen die Organisatoren den Mangel an preiswertem Wohnraum. Um Kältetote zu verhindern, sind ab dem 1. November auch wieder Kälte- und Wärmebusse der Stadtmission und des DRK im Einsatz. Sie verteilen Schlafsäcke und warme Kleidung.

Finanziert werden die Plätze in Notübernachtungs-Einrichtungen von der Gesundheits- uns Sozialverwaltung. Senator Mario Czaja (CDU) hat Kostka zufolge angekündigt, dass Flüchtlinge vom Landesweiten Koordinierungsstab untergebracht werden sollen, wenn sie sich bei Einrichtungen der Kältehilfe melden. „Es wird sich zeigen, ob das funktioniert“, sagte die Caritas-Direktorin.

Sie befürchtet zudem, dass die Stimmung gegenüber Flüchtlingen abkühlen könne: Aus Zuschriften entnehme sie, dass Wohnungslose nur schwer begreifen könnten, dass andere Heimatlose so viel Unterstützung bekämen.

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