Auch die B.Z. beklagt: „Flüchtlinge und ihr Umzug vom Chaos ins nächste Chaos“

11.11.2015 BZ
Flüchtlinge und ihr Umzug vom Chaos ins nächste Chaos

Kein Essen, nichts zu trinken und nicht mal Klopapier: Flüchtlinge in Berlin und ihr Umzug vom Chaos ins nächste Chaos. In einigen Unterkünften fehlt es am Nötigsten. Die Unterkunft gewechselt, das Chaos bleibt. Unglaublich, was Flüchtlinge in Berlin durchmachen müssen.

In der Spandauer Radelandstraße waren 300 Menschen in einer Polizei-Sporthalle ohne Essen, Trinken und ohne Amtsarzt.
Kein Betreiber war da, der sich kümmern konnte. Das mussten die Polizisten selbst machen, die ihre Reservebestände der Einsatzverpflegung zur Verfügung stellten. Dienstagabend der Umzug der Flüchtlinge in die Turnhalle an der Gürtelstraße (Friedrichshain). Und das Chaos ging von vorne los: wieder nichts zu essen, keine Getränke. Laut Helfer fehlte es am Nötigsten – Toilettenpapier, Windeln, Putzmittel. Die Lattenroste reichten für die Betten nicht. Etliche Flüchtlinge, darunter viele Kinder, hätten auf den Matratzen am Boden schlafen müssen.
Ehrenamtliche von „Friedrichshain hilft“ organisierten Lebensmittel, bezogen Betten, stellten Bänke und Tische auf. Dixi-Klos mussten erst organisiert werden.
Kreuzbergs Bürgermeisterin Monika Herrmann (51, Grüne) zeigte sich erschüttert, als sie die Einrichtung besuchte. Zur B.Z: „Der Betreiber schien hoffnungslos überfordert, das toppte wirklich alles, was ich bisher gesehen habe.“
Wie es weitergeht? Der Caterer von der Flüchtlingsunterkunft am Flughafen Tempelhof hilft. Am Freitag, um 18 Uhr, ist eine Info-Veranstaltung für Anwohner in der Trave-Grundschule.
Der Bezirk richtete für Helfer eine E-Mail-Adresse ein. Bürgermeisterin Herrmann will eine „Checkliste für Pflichten von Betreibern“ erstellen. Außerdem fordert sie ein Zentrallager für Hygiene-Artikel in Berlin, um Flüchtlinge in ihren Unterkünften unbürokratisch versorgen zu können.
Regina Kneiding, Sprecherin der Senatssozialverwaltung: „Es wird immer schwieriger, in Berlin geeignete Betreiber zu finden.“
Die Polizei-Gewerkschaft schrieb nach dem Chaos in der Radelandstraße einen Beschwerde-Brief an Innensenator Frank Henkel (51, CDU): „Die Polizei ist nicht dafür aufgestellt, als Unterbringungsbetrieb und Versorgungseinrichtung für andere Behörden zu fungieren.

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