Bürger-AG will Holzhäuser für Flüchtlinge im Hangar

11.01.2016 Berliner Zeitung

Mit Balkon: So könnten die Häuser für Flüchtlinge aussehen, wenn sie in den Hangars gebaut würden. Openport Tempelhof heiß das Konzept der Bürger. Foto: Bürger-AG Village

Auf dem Flughafen Tempelhof sollen in den Hangars für Flüchtlinge bis zu dreigeschossige Holzhäuser errichtet werden. Das sieht das Konzept einer Gruppe von Bürgern vor. Die Politik hat jedoch andere Pläne.

Für den 34-jährigen Architekten Jereon Meissner steht fest: „Das Tempelhofer Feld ist wunderbar. Wir wollen es so erhalten.“ Als der Senat im vergangenen Jahr erklärte, dass er das Tempelhof-Gesetz ändern will, um temporäre Bauten für Flüchtlinge auf dem Feld errichten zu können, habe dies für ihn den Anstoß gegeben, aktiv zu werden, sagt Meissner. Er schloss sich der Bürger-AG Village an, die eine Alternativ-Planung zum Senatskonzept erarbeitete. Nicht, um die Nutzung des Feldes für Flüchtlinge zu verhindern, wohl aber, um eine Bebauung der freien Flächen abzuwenden.

„Wir schlagen den Bau von bis zu dreistöckigen Holzhäusern in den Hangars vor“, sagt Meissner. Der Raum solle dadurch bestmöglich genutzt werden. „Der Bau solcher Häuser ist brandschutztechnisch möglich, wenn ein zweiter Fluchtweg vorhanden ist“, sagt Meissner. Das sei bei ihrem Plan der Fall. „Unsere Idee ist, dass die Menschen mehr Privatsphäre erhalten“, sagt Meissner. „Zugleich schaffen wir zusätzlichen gemeinschaftlichen Freiraum.“ Die Holzbauten sollen dabei nur für eine Übergangszeit als Unterkünfte für Flüchtlinge dienen. Danach könnten sie auseinander gebaut werden und an anderer Stelle für „kostengünstigen Wohnungsbau“ weiter verwendet werden, so Meissner. Der Architekt weiß, wovon er redet. Eines der Projekte, an dem er mitgewirkt hat, ist der Bau eines Pfarramtes in Massivholzbauweise im Schwarzwald.

Die Akteure

Der Senat will auf dem Flughafen Tempelhof ein Flüchtlingsdorf für bis zu 7 000 Menschen errichten. Ein Teil von ihnen soll in den Hangars einquartiert werden. Die übrigen sollen in provisorischen Unterkünften wie Traglufthallen oder Containern neben dem Vorfeld untergebracht werden – bis zum Jahr 2019. Um die Flächen neben dem Vorfeld bebauen zu können, muss jedoch das Tempelhof-Gesetz geändert werden.

Die geplante Änderung des Gesetzes stößt auf Kritik. Die Bürgerinitiative 100 Prozent Tempelhofer Feld, die den Volksentscheid gegen die Bebauung im Jahr 2014 organisierte, sowie die Bürger-AG Village lehnen die Änderung ab. Die AG Village legte jetzt einen Alternativplan zum Senatskonzept vor. In der AG Village haben sich unter anderem Architekten, Landschaftsplaner und Gärtner zusammengeschlossen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) macht Druck, um das Tempelhof-Gesetz möglichst rasch zu ändern. Das Problem: Vor der Änderung, die vom Abgeordnetenhaus beschlossen werden muss, soll eine Bürgerveranstaltung organisiert werden, auf der jeder seine Kritik vorbringen kann. Das soll nach Lage der Dinge vor dem 28. Januar erfolgen. Am 28. Januar soll das Parlament die Änderung beschließen.

Mehr Privatsphäre als Ziel

Wie viele Menschen in den Holzhäusern in den Tempelhofer Hangars untergebracht werden können, hat die AG Village nicht errechnet. Weil ihr dazu noch die Angaben der Behörden zum Flächenbedarf pro Person fehlen, wie Meissner sagt. „Wir halten aber die Mindestanforderungen vom Lageso von 6 bis 9 Quadratmeter reiner Wohnfläche pro Person für notwendig“, so Meissner. Zum Vergleich: Der Senat will bis zu 7 000 Flüchtlinge in den Hangars und in temporären Bauten am Rande des Vorfeldes unterbringen. „Noch ist unser Vorschlag ein Ideenkonzept“, betont Architekt Meissner. Bei einem Dialog mit Experten aus Politik, Verwaltung, von Flüchtlingsverbänden und Bürgern könne jedoch ein sinnvolles Gesamtkonzept daraus entwickelt werden. Das Tempelhof-Gesetz, das eine Bebauung des Feldes verbietet, müsste für den Plan nicht geändert werden. Das Tempelhofer Feld selbst soll nach dem Plan der AG Village für Integrationsprojekte genutzt werden: für Gemeinschaftsgärten, Sportflächen und eine Feldküche.

Die Politik reagiert unterschiedlich auf die Pläne der AG Village. Der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz sprach von „teilweise hochprofessionellen Vorschlägen“. Jetzt gelte es zu prüfen, inwieweit Vorschläge daraus aufgegriffen werden können. Buchholz äußerte Zweifel, dass die Holzbauten schnell zu realisieren seien. Der CDU-Abgeordnete Stefan Evers sagte, der Bau von Holzhäusern sei nicht geeignet, um schnelle Notunterkünfte zu schaffen. Diese seien eher für eine längerfristige Unterbringung geeignet. Es sollte aber überlegt werden, inwieweit die Vorschläge für Integrationsangebote aufgegriffen werden. „Zu unausgereift“, lautete das Urteil aus der Stadtentwicklungsbehörde.

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/unterkunft-in-berlin-tempelhof-buerger-ag-will-holzhaeuser-fuer-fluechtlinge-im-hangar,10809148,33500624.html