Neukölln: Willkommen im Kaufhaus der Flüchtlinge

12.01.2016 BZ

In der Karl-Marx-Straße in Neukölln entsteht derzeit ein Flüchtlingsheim in einem ehemaligen Einkaufszentrum. Bezirksbürgermeisterin Giffey zeigte B.Z. die Räume.

Die weiten Ausstellungsflächen, die Rolltreppen und hohen Spiegel an den Säulen erinnern noch immer an den alten Charme. Seit zweieinhalb Wochen wohnen im ehemaligen C&A-Gebäude in der Karl-Marx-Straße (Neukölln) 200 Asylbewerber. Willkommen im Kaufhaus der Flüchtlinge – im KaDeF.

„Viele Neuköllner, die hier regelmäßig einkaufen waren, werden das Haus (9200 Quadratmeter) auch nach dem Umbau noch wiedererkennen“, sagt Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (37, SPD), die der B.Z. am Montag exklusiv die neue Unterkunft zeigte.

Im Januar 2012 waren die Berliner hier zuletzt beim großen Ausverkauf auf Schnäppchenjagd. Jetzt machen im Erdgeschoss zwei Asylbewerber auf dem Boden Gymnastikübungen. „Ein bisschen Bewegung tut gut“, sagt Khatab Omar (34) aus dem Irak.

Demnächst muss er seine Isomatte nicht mehr ausrollen. Im Obergeschoss soll ein Fitnessbereich eingerichtet werden. Auf den anderen Etagen befinden sich Schlafplätze und sanitäre Einrichtungen.
Konnten die Schnäppchenjäger vor vier Jahren noch per Rolltreppe durch das vierstöckige Haus, müssen die neuen Bewohner heute das Treppenhaus benutzen. „Die Rolltreppen haben wir aus Sicherheitsgründen gesperrt“, so Giffey.
In dem Gebäude sollen 600 Flüchtlinge unterkommen. Neuköllns Bürgermeisterin: „Das entspricht einer Auslastung von etwa vier Sporthallen. Das Kaufhaus ist die bessere Alternative.“
Der Mietvertrag mit dem Betreiber, dem Malteser-Hilfsdienst, läuft drei Jahre. „Die Mitarbeiter waren professionell vorbereitet. Ohne ihr Engagement hätten wir unsere Pläne nicht in diesem kurzen Zeitraum umsetzen können“, lobt Giffey.

Ein Problem gibt es allerdings noch: Da die sanitären Anlagen erst im Februar fertig sind, müssen die Bewohner noch zum Duschen ins Stadtbad Neukölln. Deshalb wurden vorerst nur Männer aufgenommen. Giffey: „Wir möchten das keiner Mutter mit Kind zumuten.“

Im Erdgeschoss ist ein öffentliches Café geplant. Dann kann jeder einen Blick ins KaDeF werfen.