Fast 8000 minderjährige Flüchtlinge leben in Notunterkünften

17.01.2016 Morgenpost
Die Berliner Sozialverwaltung schafft es nicht, minderjährige Flüchtlinge kindgerecht unterzubringen. Es seien einfach zu viele.

Berlin. In Berlin leben derzeit noch 7908 Minderjährige in Notunterkünften, davon 2994 Kinder unter sechs Jahren. Die Verwaltung schafft es nicht, geeignete Unterkünfte für die minderjährigen Asylsuchenden bereit zu stellen. „Aufgrund der sehr hohen Zugangszahlen ist es zumindest derzeit nicht vermeidbar, auch Familien oder Alleinreisende mit Kindern vorübergehend in einer Notunterkunft unterzubringen“, heißt es in der Antwort des Sozialstaatssekretärs Dirk Gerstle auf eine Anfrage der Grünen. „Mit rund 10.000 nach Berlin verteilten Asylbegehrenden wurden allein im November annähernd so viele Personen in Berlin aufgenommen wie im gesamten ersten Halbjahr sowie im gesamten Vorjahr.“

Grundsätzlich werde angestrebt, den Aufenthalt der Kinder und Jugendlichen in einer Notunterkunft so weit wie möglich zu vermeiden und die Betroffenen in eine Gemeinschaftsunterkunft zu verlegen, wo die Bedingungen für Kinder und Jugendliche besser seien, als in einer Notunterkunft, beteuert die Sozialverwaltung.

Kritik an der Unterbringung von Tausenden minderjährigen Flüchtlingen in den Notunterkünften kommt von den Grünen. „Der Senat muss sicherstellen, dass Kinderrechte überall gelten – auch in Flüchtlingsunterkünften“, sagt die Sprecherin für Kinder, Jugendliche und Familie der Grünen-Fraktion, Marianne Burkert-Eulitz. „Derzeit gibt es oft keine kindgerechten Wohnverhältnisse oder ausreichende Bewegungsflächen, auch Kinderbetreuung und Integrationsmaßnahmen fehlen“, kritisiert Burkert-Eulitz. „Das muss sich ändern.“

Die Verwaltung müsse stattdessen vielmehr Kooperationen mit Kinder- und Jugendeinrichtungen suchen, damit Flüchtlingskinder möglichst frühzeitig mit Gleichaltrigen aus der Umgebung in Kontakt kommen, fordert die grüne Familienpolitikerin. „Nur so wird der Grundstein für eine gute Integration gelegt.“

Ähnlich dramatisch hat sich die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge entwickelt. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Jugendverwaltung insgesamt 4252 Minderjährige unbegleitet nach Berlin gekommen. Das sind viermal mehr als im Jahr davor. Die hohe Zahl hat dazu geführt, dass die Behörden mit der medizinischen Erstuntersuchung dieser Jugendlichen stark hinterherhinkt. Eine medizinische Erstuntersuchung ist aber eine Voraussetzung dafür, am Schulbesuch teilnehmen zu können. An der Charité sollen deshalb an zwei Wochenenden im Januar alle Kinder und Jugendlichen, die noch nicht erstuntersucht sind, eine medizinische Versorgung erhalten.

Meiste minderjährige Flüchtlinge in Lichtenberg

Um die Situation der minderjährigen Flüchtlinge in der Stadt zu verbessern, hat der Senat die ehemalige Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, zur Koordinatorin ernannt. sie hat im November ihre Arbeit aufgenommen. Seitdem werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, wie Erwachsene auch, nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf alle Bundesländer verteilt. Davor waren sie vor allem in wenigen, besonders darauf vorbereiteten Bundesländern untergebracht.

In Berlin bestehen inzwischen 39 Einrichtungen, in denen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge von der Jugendhilfe betreut werden.

http://www.morgenpost.de/berlin/article206933807/Fast-8000-minderjaehrige-Fluechtlinge-leben-in-Notunterkuenften.html