Anwohnerin klagt gegen Flüchtlingsunterkunft Heckeshorn

25.02.2016 Morgenpost

Die Nutzung des Klinikgeländes sei ohne Baugenehmigung geändert worden, moniert eine Anwohnerin. Der Senat plant keinen Modulbau mehr.

Auf dem Gelände der ehemaligen Lungenklinik in Heckeshorn (Wannsee) plant der Senat derzeit nicht, eine modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) zu errichten oder dort Wohncontainer aufzustellen. Steglitz-Zehlendorf ist auf der Liste mit 68 Standorten, auf die sich der Senat am Dienstag geeinigt hatte, mit fünf Standorten vertreten. An der Bäke- und Leonorenstraße sowie auf dem ehemaligen Stauraum Dreilinden an der Potsdamer Chaussee sind Modularbauten vorgesehen, an der Finckensteinallee und einem vom Bezirk vorgeschlagenen Grundstück, dessen Adresse noch nicht mitgeteilt wurde, sollen temporäre Unterkünfte errichtet werden. Heckeshorn taucht in dieser Aufstellung nicht mehr auf.

Das bedeute allerdings nicht, dass dort keine weiteren Flüchtlinge untergebracht werden sollen, stellte Eva Henkel, Sprecherin von Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) klar. Derzeit leben rund 200 Asylsuchende im ehemaligen Bettenhaus der Lungenklinik, nach Abschluss von Umbauarbeiten könnte diese Zahl auf etwa 300 steigen. Zudem sollen zwei Gebäude des Klinikkomplexes und ehemalige Schwesternwohnungen saniert und für Flüchtlinge genutzt werden. Es gibt noch unterschiedliche Angaben zur dann möglichen Gesamtkapazität. Die Senatsverwaltungen für Soziales und Finanzen sprechen von 700 bis 750 Personen, die Berliner Immobilien Management (BIM) von bis zu 1000.

Klägerin spricht von „Massenunterkunft“

Unterdessen hat eine Anwaltskanzlei aus Regensburg für eine Wannseer Anwohnerin Klage gegen die Nutzungsänderung des Klinikgeländes Heckeshorn in eine „Massenunterkunft“ vor dem Verwaltungsgericht erhoben. Das Klageverfahren wird von der Bürgerinitiative „Wannsee 300″ unterstützt. Diese Initiative macht sich dafür stark, in Heckeshorn nicht mehr als 300 Flüchtlinge unterzubringen.

Die Klägerin sei Eigentümerin eines Wohngrundstücks, das unmittelbar an das Klinikgelände angrenze, teilte der Anwalt in einem Schreiben mit. Sie wende sich gegen die „beabsichtigte und begonnene Nutzungsänderung ohne vorherige Erteilung einer Baugenehmigung“. Die Anwohnerin mache ihren „Gebietserhaltungsanspruch“ geltend und befürchte Belästigungen oder Störungen, „die für die Umgebung unzumutbar sind“.

Modularbauten haben eine Lebensdauer von 50 Jahren

Für viele Anwohner, aber auch für Bezirkspolitiker und Abgeordnete der Regierungskoalition, spielt die Frage eine Rolle, ob auf einem Grundstück temporäre Unterkünfte oder Modularbauten aufgestellt werden. Die Genehmigung für Container wird auf drei Jahre befristet, die MUF haben eine Lebensdauer von mindestens 50 Jahren.

Geplant ist, sie für Studenten oder Wohnungslose zu nutzen, sollte in einigen Jahren die Zahl der Flüchtlinge merklich zurückgehen. Außerdem können sie zu Wohnungen umgebaut werden. Die zunächst 26 MUF, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung errichtet, sollen einheitlich aus Betonfertigteilen nach einem Amtsentwurf erstellt werden. Die Gebäude werden zwei bis fünf Etagen hoch und reichen für maximal 500 Flüchtlinge. Die Wohnungsbaugesellschaften bauen ihre zwölf Modularbauten nach eigenen Entwürfen.

http://www.morgenpost.de/berlin/article207091069/Anwohnerin-klagt-gegen-Fluechtlingsunterkunft-Heckeshorn.html